*Rezension* Bitterzart


 (5/5)

 

Anya Balanchine hat kein leichtes Leben. Ihr Vater, Mafiaboss des berüchtigten Balanchine-Kartells, der einst illegal mit Schokolade gehandelt hatte, ist ebenso wie ihre Mutter ermordet worden. Obwohl Anya erst sechzehn Jahre alt ist, kümmert sie sich um ihre todkranke Großmutter Nana, ihre kleine Schwester Natty und ihren großen Bruder Leo, der während dem tödlichen Anschlag auf seine Mutter verletzt wurde und seitdem eine geistige Behinderung hat. An Anyas High School taucht eines Tages ein neuer Junge auf. Goodwin, genannt Win, ist freundlich, schön, und verliebt sich in Anya. Diese möchte seine Gefühle nur zu gerne erwidern, doch Wins Vater, der stellvertretende Staatsanwalt, verbietet ihr die Beziehung aufgrund ihres Hintergrunds. Als Anyas Ex-Freund Gable mit einer Vergiftung im Krankenhaus liegt, fällt der Verdacht auf Anya. Sie soll Gable vergiftete Schokolade gegeben haben. Und damit fangen ihre Probleme erst richtig an…

 

Der Zukunftsroman „Bitterzart“  macht seinem Namen alle Ehre. Ich konnte beim Lesen ganz tief in die Geschichte eintauchen, war geschockt von der bitteren Zukunft ohne Schokolade, genoss die zarte Liebesgeschichte zwischen Anya und Win und war begeistert von der bittezarten Dystopie. Und ich bin es immer noch.

 

Anya hat einen tollen Charakter. Sie ist selbstbewusst, mutig und pflichtbewusst. Für ihre Familie würde sie alles tun. Anya glaubt an Gott. Sie ist nicht perfekt und sie macht Fehler, sie tut anderen Menschen Unrecht und verletzt ihre Gefühle. Aber sie ist lernfähig, entschuldigt sich bei ihren Freunden, akzeptiert andere Meinungen und erweitert dadurch ihren Horizont. Immer wieder wird sie auf die Probe gestellt und muss sich zwischen Herz und Verstand entscheiden. Ich habe das Gefühl, dass Anya im Laufe der Geschichte eine starke Entwicklung durchmacht. Am Ende der Geschichte ist sie kein junges Mädchen mehr, sondern eine reife, junge Frau, die viel erlebt hat und noch mehr erleben wird.

 

Anya hat das große Glück, eine beste Freundin namens Scarlet zu haben. Das ist eine der tollen Eigenschaften der Autorin Gabrielle Zevin. Sie verleiht nicht nur den Hauptfiguren Individualität, nein, sondern jede einzelne Person, die in dem Roman auftaucht, besitzt das gewisse Etwas, das sie so einzigartig macht. Bei Scarlet ist es ihre Loyalität, das bewundere ich an ihr. Sie ist eine wunderbare beste Freundin, verzeiht Anya ihre Schwächen und Fehler und hilft, wo sie nur kann. Zugleich weiß sie aber auch, wo Schluss ist und ab wann sie an ihre eigenen Bedürfnisse denken muss.

 

Die Liebesgeschichte zwischen Win und Anya ist, wie soll ich sagen? Irgendwie süß. Obwohl dieses Ich-liebe-dich-aber-meine-Familie-hasst-dich-Getue mittlerweile nicht mehr sonderlich originell ist, hat Gabrielle Zevin das Thema sehr gut umgesetzt. Wenn ich Win mit einem Wort charakterisieren sollte, würde ich sagen, dass er „freundlich“ ist. Das gefällt mir an Win total, auch wenn „freundlich“ auf dem ersten Blick nicht sonderlich spannend klingt. Win ist kein Draufgänger, er ist weder ein Angeber, noch sonderlich mysteriös, wie es in so vielen 08/15-Romanen für die männliche Hauptperson üblich ist. Win ist einfach freundlich, er ist lustig, nett und hilfsbereit zu Anya und Scarlet. Zudem ist er ziemlich schön, sein äußeres Erscheinungsbild wird zu Beginn kurz beschrieben, später aber nur noch selten erwähnt. Man merkt, dass es bei dieser Beziehung nicht um das Äußere geht, Gabrielle Zevin übertreibt es mit den Beschreibungen nicht, sondern konzentriert sich auf die inneren Werte und die gemeinsamen Erlebnisse von Anya und Win.

 

Die Geschichte lässt sich in einem Rutsch durchlesen. Ich mag die Tatsache, dass man merkt, dass Anya ihre Geschichte „Bitterzart“ erzählt und manchmal den Leser mehr oder weniger direkt anspricht. Und ich mag die Weisheiten ihres Vaters, die sie immer wieder im Laufe der Geschichte erwähnt. Da verzeihe ich auch gerne die Tatsache, dass in dem Roman ab und zu Rechtschreibfehler auftauchen, die man hätte vermeiden können.

 

„Bitterzart“ ist eine gelungene Dystopie mit einem Ende, das mich neugierig auf den zweiten Band macht. Band 2 heißt „Edelherb“ und erscheint noch in diesem Jahr bei Fischer FJB.

 

Hier könnt ihr „Bitterzart“ aus dem FJB-Verlag kaufen!

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10 Gedanken zu “*Rezension* Bitterzart

  1. Ebru schreibt:

    Eine tolle Rezi! Nachdem ich jetzt wenig Positives über das Buch gehört habe, bin ich nach deiner Rezension doch davon überzeugt, es mir zuzulegen 🙂
    Liebe Grüße,
    Ebru ❤

    • Buchheldin schreibt:

      „Bitterzart“ ist auch wirklich, wirklich toll<3 Ich verstehe echt nicht, warum es überwiegend nur mittelmäßige Rezensionen existieren…

      Liebe Grüße!

  2. katnissdean schreibt:

    Bitterzart möchte ich auch noch gern lesen. Wobei lieber auf englisch. Denn von Gabrielle Zevin hab ich schon Elsewhere im Original gelesen und das war einfach nur fantastisch. Sie schreibt unheimlich toll. War mein Buch des Jahres 2012 🙂

    • Buchheldin schreibt:

      Oh, „Elsewhere“ kenne ich gar nicht. Aber nach „Bitterzart“ kann ich mir gut vorstellen, es mal zu lesen. Wobei ich echt langsam bin, wenn ich englische Bücher lese…

      • katnissdean schreibt:

        Elsewhere war mein 1. englisches Buch nach der Twilight-Reihe. Und es war so fantastisch geschrieben, dass man einfach in der Geschichte drin steckte und auch alles verstand. Also selbt wenn man langsam liest oder aber nicht allzu versiert ist, kommt man gut mit 🙂

  3. ninespo schreibt:

    Ich darf deine Rezensionen einfach nicht mehr lesen! Die verzaubern mich jedes Mal und nach jedem! Besuch, habe ich ein weiteres Buch auf meiner Wunschliste. Das ist so unfair! 😀

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