*Rezension* Gelöscht


 

 

 (4/5)

Für die sechzehnjährige Kyla ist das sogenannte „Slating“ ihre letzte Chance. Ihr Gedächtnis wird gelöscht und sie nimmt eine neue Identität an. Kyla soll sich nicht mehr an ihr altes Leben als Verbrecherin erinnern müssen. So funktioniert England im Jahre 2054. Junge Menschen, die schwere Verbrechen begehen, bekommen ihr Gedächtnis entfernt und ein Levo-Armband angepasst, das dafür sorgen soll, dass die Jugendlichen nicht erneut Straftaten begehen. Doch irgendetwas ist bei Kyla anders. Sie erinnert sich noch bruchstückhaft an ihr altes Leben. Nach einiger Zeit kommen immer mehr Erinnerungen an ihr altes Ich hoch und sie tut das, was „Slater“ niemals tun sollen: das System infrage stellen. Kyla verliebt sich in einen weiteren „Slater“ namens Ben. Zusammen begeben sie sich auf die Suche nach Antwort und Wahrheit, doch dann hat Ben eine gefährliche Idee- und Kyla weiß nicht mehr, was sie tun soll…

 

Eine Welt, in der junge Verbrecher nicht zu Haftstrafen verurteilt werden, sondern zum Slating. Für uns ist das kaum vorzustellen, doch für Kyla aus dem Roman „Gelöscht“ stellen solche Regeln die bittere Realität dar. „Gelöscht“  hat mich nachdenklich gemacht. Was ist, wenn der Staat das Gedächtnis von Menschen einfach auslöschen darf? Was ist, wenn er dich dazu zwingt, eine neue Identität anzunehmen? Gegen deinen Willen? Sind wir schon so fortgeschritten in unserer Welt voller technologischer und medizinischer Fortschritte, dass wir einfach unsere Traumbabys designen können- und „Straftäter“ auslöschen bzw. neu polen können?

 

Teri Terrys Schreibstil ist flüssig und klar. Die Geschichte wird aus der Sicht von Kyla erzählt. Der Roman liest sich recht schnell. Mir gefällt es, dass ich die Gedanken und Gefühle, die Ängsten und Sorgen von Kyla mit verfolgen kann. Der Schreibstil ist einfach, genau wie Kylas Gedanken, zumindest zu Beginn der Geschichte. Es ist merkwürdig, welche Dinge ihr am Anfang noch Schwierigkeiten bereiten, so weiß sie zum Beispiel nicht, wie man eine Autotür öffnet. Auch wenn ihre Unsicherheit und ihre Ahnungslosigkeit bezüglich alltäglicher Dinge manchmal nerven, so ist es doch authentisch, dass Kyla all diese Dinge nicht weiß. Sie wurde schließlich geslatet, sie weiß nichts. Im Krankenhaus wurde ihr innerhalb weniger Monate etwas Allgemeinwissen beigebracht, aber dennoch hat sie natürlich nicht so viel Lebenserfahrung wie andere Jugendliche in ihrem Alter.

 

Mich hat es gestört, dass einige Sätze in „Gelöscht“ immer wieder wiederholt werden. Ich mag es nicht, wenn die gleichen Sätze immer und immer wieder im Roman vorkommen. So wird zum Beispiel oft erwähnt, dass Kylas stabiler Levo-Wert daran liegt, dass sie gelaufen ist. Sie liebt das Laufen, denn dann fühlt sie sich frei, kann klar denken und ihr Levo-Wert, der ihre Gefühle kontrolliert, steigt an. Auch erwähnt Teri Terry immer wieder: „Kyla ist anders.“ Ja, sie ist anders. Und irgendwann wissen das selbst die unaufmerksamsten Leser, so oft, wie die Autorin das erwähnt…

 

Die Geschichte beginnt gemächlich, wird dann immer spannender und endet dann- mitten im Nichts. Mir ist das Ende zu offen, viele Fragen bleiben offen. Natürlich, so ein offenes Ende ist die perfekte Marketing-Strategie und soll dazu beitragen, dass die Leser am Ball bleiben, aber trotzdem: ein paar Antworten hätte Teri Terry und doch ruhig geben können. Oder?

 

Die meisten Charaktere finde ich ziemlich sympathisch. Kyla ist zwar zunächst etwas naiv, aber im Laufe der Geschichte wird sie immer nachdenklicher und lässt sich nicht mehr alles bieten. Ihre „Schwester“ Amy, die ebenfalls geslatet wurde und in der gleichen Pflegefamilie wie Kyla lebt, ist von Beginn an sehr nett zu Kyla und hilft ihr, wo sie nur kann. Doch dann gibt es auch dubiose Gestalten, bei denen man nicht weiß, auf welcher Seite die denn nun stehen. So ist zum Beispiel der „Vater“ von Amy und Kyla zwar immer freundlich und nett, aber auch geheimnisvoll. Man bekommt ihn nur selten zu Gesicht, er ist immer unterwegs und scheint mehr zu wissen, als er zugibt.

 

Trotz einiger Schwierigkeiten und Fehler von „Gelöscht“ habe ich die Dystopie doch gerne gelesen. Die Geschichte ist spannend und das Bedürfnis weiterzulesen ist auf jeden Fall vorhanden! 🙂 Ich freue mich schon auf Band 2!

 

Hier könnt ihr „Gelöscht“ aus dem Coppenrath-Verlag kaufen!

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