*Rezension* Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket


 

 (5/5)

Die Familie Brocket ist stolz darauf, als stinknormale Familie durchzugehen. Alistair ist schließlich ein ganz normaler Mann und Eleanor seine ganz normale Frau. Zusammen haben sie zwei Kinder, die ganz normal sind. Doch dann wird das dritte Kind geboren und zu dem großen Schrecken der Eltern ist dieses absolut unnormal. Denn Barnaby Brocket, das besagte dritte Kind, schwebt! Wenn ihn niemand aufhält, wenn er keine verstärkten Eisenschuhe anhat oder einen mit Sandsäcken gefüllten Rucksack trägt, kann Barnaby nicht anders: er trotzt der Schwerkraft und schwebt unaufhörlich nach oben. Für das Ehepaar Brocket ist Barnaby eine Katastrophe: mit solch „anderen“ Menschen wollen sie nichts zu tun haben. Und so lassen sie Barnaby, als er acht Jahre alt ist, einfach in den Himmel schweben. Hier begegnet Barnaby zwei alten Damen in einem Heißluftballon, die in ein Stück mitnehmen. So beginnen die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket.

John Boyne ist als Autor von dem Werk „Der Junge im gestreiften Pyjama“ bekannt, das ich auch schon vor langer Zeit gelesen habe. Nun ist sein neuer Roman für Kinder erschienen. Ein Roman, der es in sich hat. Auf eine äußerst kluge Art und Weise vermitteln uns John Boyne eine wichtige Botschaft: es ist nicht schlimm, anders zu sein. Vielmehr gehört die Andersartigkeit einfach zur Person, sie steckt tief in uns drin. Wer bestimmt überhaupt, dass man anders ist, als – nun ja- Andere? Und wie würden wir uns fühlen, wenn wir nicht wir wären, mit all unseren „Andersartigkeiten“? Auf all diese Fragen liefert uns der Autor Antworten, die auch für junge Kinder verständlich sind und dennoch so intelligent und philosophisch geschrieben, dass man stundenlang über die Aussagen nachdenken kann.

Barnaby Brocket ist ein Junge, den ich in mein Herz geschlossen habe. Er ist ein kleiner Junge, der voller Liebe und kindlicher Naivität steckt. Er hilft anderen Menschen, auch wenn er dies gar nicht richtig wahrnimmt. Er hilft ihnen allein durch seine Worte und durch seine ehrliche und offene Art. Er wirkt so lieb, so unschuldig. Er wirkt wie ein Kind, das fest von dem Guten auf der Welt überzeugt ist.

Barnabys Eltern hingegen sind genau das Gegenteil. Als Menschen, die jegliche Art von Abnormalität verabscheuen, können sie es nicht ertragen, Barnaby weiterhin großzuziehen. Was würden denn die Nachbarn sagen? Das Ehepaar Brocket legt großen Wert auf die Meinung ihrer Umwelt. Sie fühlen sich von der Gesellschaft gedrängt und geben ihren Sohn auf, auch wenn man merkt, dass zumindest bei Eleanor, Barnabys Mutter, immer noch Zweifel vorhanden ist, ob sie wirklich das Richtige tut.

„Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ sollte man nicht verschlingen, sondern langsam verdauen. Die Geschichte steckt voller Weisheiten und schlauen Sätzen. Der Roman gehört zu denjenigen Werken, bei denen man nach dem Lesen wehmütig über den Buchrücken streicht, weil die Geschichte zu Ende ist. Ich kann allen großen und kleinen Lesern diesen wunderbaren Roman wärmstens empfehlen!

 

Hier könnt ihr euch die Geschichte aus dem Fischer-Verlag bestellen.

 

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6 Gedanken zu “*Rezension* Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket

  1. Kathrin schreibt:

    Danke für diese Rezension! Ich liebe John Boynes Bücher und dies steht auch schon ewig auf meiner Wunschliste. Allerdings ging irgendwie an mir vorbei, dass die deutsche Ausgabe bereits erhältlich ist. Zum Glück ist heute Sonntag, sonst würde ich mich jetzt vermutlich sofort in unsere Stammbuchhandlung begeben 😉

    Hast du schon „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ gelesen? Eine ebenfalls ganz wunderbare Geschichte 🙂

    • Buchheldin schreibt:

      “Der Junge mit dem Herz aus Holz” habe ich noch nicht gelesen, aber nachdem mir Barnaby Brocket so gut gefallen hat, ist es nur noch eine Frage der Zeit. 🙂

      Und die Bücher sind im Buchhandel wirklich leicht zu übersehen. Das ist toal schade, weil die Geschichte so bezaubernd ist. 🙂

      • Kathrin schreibt:

        Ich bin mir sicher, dass dir das genauso gut gefallen wird – Cover und Illustrationen stammen übrigens vom gleichen Künstler wie bei „Barnaby Brocket“.

        Das mit dem Buchhandel stimmt leider.Entweder sind sie gar nicht vorrätig oder total versteckt, oft nehmen die ganzen Dystopien und Reihen so viel Platz weg bzw. sind diese meist stärker präsentiert als die weniger/nicht gehypten Bücher.

      • Buchheldin schreibt:

        Ja, und genau das ist es, was ich so schade finde.

        Es gibt ein paar Dystopien, die ganze Tische in den Buchhandlungen für sich beanspruchen. Manche dieser Bücher sind ja auch wirklich gut, aber ich finde es schade, dass dadurch auch richtig gute Bücher, wie z.B. dieses neue Buch von John Boyne, untergehen.

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