*Rezension* Das Licht zwischen den Meeren


(5/5)

Tom Sherbourne ist ein Leuchtturmwärter und führt mit seiner Frau Isabel ein glückliches Leben auf der Insel Janus Rock. Ihr Eheglück wird jedoch durch drei Fehlgeburten getrübt. Isabel verliert die Hoffnung auf Nachwuchs und gibt sich ihrer Traurigkeit hin. Eines Tages strandet ein Boot auf der Insel. In dem Boot liegt eine Leiche und ein gesundes Baby. Tom muss sich an die Vorschriften halten und den Fall melden. Doch seine Frau verhindert dies. Kann es wirklich Zufall sein, dass kurz nach einer Fehlgeburt ein Kind wie aus dem heiteren Himmel Isabel in die Arme fällt? Sie überzeugt ihren Mann, das Baby erst einmal zu behalten, da der Vater des Kindes offensichtlich tot und die Mutter höchstwahrscheinlich ebenfalls verstorben ist. Die Familie erlebt auf der Insel eine glückliche Zeit mit dem Baby, das sie Lucy nennen. Doch als die Familie nach zwei Jahren wieder auf das Festland zurückkehren, stellen Tom und Isabel fest, dass Lucys leibliche Mutter noch lebt und vor Trauer über den Verlust ihres Mannes und ihrer Tochter fast den Verstand verliert.

„Das Licht zwischen den Meeren“ ist eine Geschichte, deren Schönheit man erst dann versteht, wenn man sie gelesen hat. Es steckt so viel Gefühl in den knapp 450 Seiten, so viel Spannung, Dramatik und vor allem Lebendigkeit, dass ich dieses Buch in den letzten Tagen einfach überallhin mitgenommen habe, um weiterlesen zu können.

Der Schreibstil von M. L. Stedman ist brilliant. Sie schreibt lyrisch und versteht die Kunst, falsche Wörter wegzulassen. Als Leser „klebt man“ an ihren Worten. In der Geschichte sind so viele schöne Sätze und Weisheiten zu finden, dass es sich allein schon deswegen lohnt, das Buch zu kaufen.

Isabel und Tom sind tolle Menschen, denen viel im Leben widerfahren ist. Sie sind nicht böse, wollen niemandem Schaden zufügen und dennoch haben sie das Leben der leiblichen Mutter von Lucy zerstört. Doch kann man ihnen das wirklich übel nehmen? Tom, der im Krieg kämpfen musste und sich nichts sehnlicher als ein ruhiges Leben wünscht. Isabel, die nach drei Fehlgeburten frühzeitig in die Wechseljahre kommt und auf natürlichem Wege keine Babys mehr bekommen kann. Ein Ehepaar, das viel Leid ertragen musste. Ein Ehepaar, das sich ein Kind wünscht. Die Grenzen zwischen Richtig und Falsch verschwimmen in dem Roman. Der Leser weiß, dass Hannah, die leibliche Mutter von Lucy, ein Recht auf das Kind hat. Der Leser weiß, dass Tom und Isabel nicht einfach so ein gestrandetes Baby behalten dürfen und dennoch kann er die Entscheidung der selbsternannten Eltern nachvollziehen. Ihre Verzweiflung nach all den Fehlgeburten, ihr Glück über die Ankunft der kleinen Lucy und all die gemischten Gefühle, die in den Jahren danach noch auf sie einströmen.

M. L. Stedman erzählt wunderbar poetisch die Geschichte einer Familie, deren Glück auf dem Unglück einer anderen Frau beruht. Das Besondere an dem Roman? Man versteht einfach die Personen. Man weiß, wie sie denken und warum sie diese und keine anderen Entscheidungen fällen. Man spürt fast selbst die Trauer, den Zorn, die Freude, Die Hoffnung und Enttäuschung der Menschen, die in dem Roman eine Rolle spielen.

Und dann ist da noch die kleine Lucy, die eigentlich auf dem Namen Grace getauft wurde. Es ist eine Freude zu lesen, wie sie langsam heranwächst. Sie ist so kindlich und die Beschreibung ihrer niedlichen Art lässt mir das Herz aufgehen. =)

„Das Licht zwischen den Meeren“ ist eine emotionale, schöne und traurige Geschichte über Entscheidungen und Moral, die manchmal nicht mit der Liebe in Einklang gebracht werden kann. Absolute Leseempfehlung (und am besten schon mal Taschentücher bereithalten)!

Hier kann man sich die melancholische Geschichte aus dem Limes-Verlag bestellen!

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5 Gedanken zu “*Rezension* Das Licht zwischen den Meeren

  1. clickclickric schreibt:

    Oh mist! Das hatte ich gestern bei Oxfam noch in der Hand, die englische Ausgabe. Ärgere mich jetzt ein bisschen, dass ichs nicht mitgenommen habe :/ Das klingt total interessant! Muss mal schauen, ob die das noch da haben 😄

    • Buchheldin schreibt:

      Hey, wie cool, bei mir gibt es auch einen Oxfam-Shop. Ich liebe den Laden. 🙂

      Das Buch ist wirklich toll, hätte ich ehrlich gesagt auch zuerst nicht gedacht, aber man liest sich total schnell rein und es ist so …anders als der Mainstream-Buchmarkt mit all den Dystopien und so. 😉

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