*Gedicht* Ansprache eines Bücherwurms


Ansprache eines Bücherwurms  (Mascha Kaleko)

Der Kakerlak nährt sich vom Mist,
Die Motte frißt gern Tücher,
Ja selbst der Wurm ist, was er ißt.
Und ich, ich fresse Bücher.

Ob Prosa oder Poesie,
Ob Mord – ob Heldentaten –
Ich schmause und genieße sie
Wie einen Gänsebraten.

Ich bin ein belesner Herr,
Nicht wie die andern Viecher!
Daß Bücher bilden, wißt auch ihr,
Und ich – ich fresse Bücher.

Die Nahrung, sie behagt mir wohl,
Verleiht mir Grips und Stärke.
Was andern Wurst mit Sauerkohl,
Das sind mir Goethes Werke.

Ich fraß mich durch die Literatur
So mancher Bibliotheken;
Doch warn das meiste, glaub es nur,
Bloß elende Scharteken.

Das Bücherfressen macht gescheit.
So denken sich´s die Schlauen.
Doch wer zuviel frißt, hat nicht Zeit,
Es richtig zu verdauen.

Drum lest mit Maß, doch lest genug,
Dann wird´s euch wohl ergehen.
Bloß Bücher fressen macht nicht klug!
Man muß sie auch verstehen.

 

Ich bin total begeistert von dem Gedicht. Es ist so schön geschrieben und so wahr! Natürlich kann man nie genug lesen;), aber manchmal merke ich selbst, wie ich den Inhalt eines Romans schon kurz nach dem Lesen wieder vergesse. Vielleicht steht man unter Druck, weil man sich Bücher ausleiht, die dann zu einem bestimmten Datum zurückgegeben werden müssen, oder man versucht, möglichst viele tolle Bücher zu lesen. Aber wahrscheinlich kennt ihr alle das schöne Gefühl, wenn man sich einfach ein Buch vom SuB nimmt und in aller Ruhe darin schmökert. 🙂

Liebe Grüße

Buchheldin

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2 Gedanken zu “*Gedicht* Ansprache eines Bücherwurms

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