*Rezension* 43 Gründe, warum es AUS ist


(5/5)

Min gibt ihrem Exfreund einen Karton mit all den 43 Dingen, die in ihrer kurzen Beziehung eine Rolle gespielt haben. Ein Winkelmesser, Ohrringe,  eine Streichholzschachtel und Rosenblätter sind nur einige der Gründe, weshalb es aus ist. Warum hat Min ihre Liebe des Lebens nach nicht mal zwei Monaten verlassen? Warum ist es aus zwischen ihr und Ed Slaterton, dem berühmten Co-Kapitän der Basketballmannschaft und heißbegehrten Mädchenschwarm? In ihrem langen Brief an Ed beschreibt Min ihre gemeinsame Zeit zu zweit und erklärt, wie die 43 Dinge in dem Karton letztlich zu dem Aus geführt haben.

Daniel Handler. Schon als ich das Buch in den Händen hielt, frisch versiegelt in der Schutzhülle, fiel mir dieser Name auf. Ist das nicht…nein. Oder doch? Ist das nicht der Mann, der unter dem Pseudonym Lemony Snicket „Eine Reihe unglaublicher Ereignisse“ geschrieben hatte? Jetzt, nach dem Lesen der Geschichte und dem anschließenden Autorenporträt weiß ich: Jaaa! Er ist es tatsächlich!

„43 Gründe, warum es AUS ist“ ist ein höchst … anderes Buch. Min ist anders. Ed ist anders (wenn auch nicht unbedingt im positiven Sinne). Der Schreibstil von Daniel Handler ist anders als sein Stil in den Kinderbüchern, die ich bisher von ihm verschlungen habe. Die Geschichte ist anders.

Daniel Handler versteht was von seinem Metier. Er schreibt spannend und erzeugt in dem Leser das gewisse Ich-muss-einfach-weiterlesen-Gefühl. Die Geschichte ist spannend, ohne actionreich zu sein, gefühlvoll, ohne kitschig zu wirken und außergewöhnlich, ohne gewollt rüberzukommen. Handler experimentiert mit der Sprache. Er gehört zu der Sorte Autor, bei denen ich schwärme, dass sie einfach SO TOLL schreiben können. Wirklich. Er schreibt schön, traurig, emotional, er fügt hier einen Wortwitz und da eine sprachliche Besonderheit hinzu, seine Aufzählungen sind klasse, sein Umgang mit der Sprache bemerkenswert gut. Daniel Handler, ja, er hat es einfach drauf.

Min ist eine tolle Persönlichkeit, auch wenn sie Dinge macht, die man zwar irgendwie nachvollziehen kann, aber dennoch als falsch bewertet. Sie ist verliebt, schwebt im siebten Himmel, hat Pläne für die gemeinsame Zukunft, möchte Spaß haben, macht schlimme Entdeckungen und leidet, weint, trauert einer gescheiterten Liebe nach und schreibt dieser Liebe letztlich einen Brief. Min ist anders. Das sagt Ed zu ihr. Das sagen viele ihrer Bekannten. Und das sage ich. Denn welches Mädchen schreibt ihrem Exfreund schon einen Brief, der Romanlänge hat? Min tut das anscheinend. Und sie ist verdammt gut darin (dank Daniel Handler, der ihren Stift führt).

Ed Slaterton, ja, wer ist Ed? Ed ist berühmt, berüchtigt und begehrt. Er ist der Star der Sportmannschaft – natürlich. Er sieht unglaublich gut aus – natürlich. Alle Mädchen wollen ihn- natürlich. Und Min kriegt ihn – natürlich. Eine High-School-Liebe, wie sie im Buche steht! Aber bemerkenswerterweise wirkt das Ganze keineswegs kitschig oder aufdringlich, sondern wie aus dem echten Leben aufgegriffen und zu Papier gebracht. Ed war mir zu Beginn ein Rätsel. Klar, Min hasst ihn mittlerweile und sie hat auch guten Grund dafür, aber so wie sie ihn in dem Brief am Anfang beschreibt, wirkt er auch ganz nett. Er ist nicht ideal, für die Rolle des Bösewichts, und das war auch sicher nie die Absicht des Autors. Ed ist ein Romantiker, einer, der liebevoll zu Min ist, der ihr zuhört und ihr Geschenke macht, aber gleichzeitig ist er auch arrogant, liebt es, im Mittelpunkt zu stehen. Er kann Vertrauliches nicht für sich behalten und er ist richtig hinterhältig und egoistisch. Rücksichtslos. Gemein. Im Nachhinein betrachtet. Min hat noch schlimmere Schimpfwörter für ihn übrig, die ich jetzt nicht alle aufzähle.

Die Aufmachung des Buches ist genial. Jeder Grund, warum es aus ist, jedes der gemeinsamen Erinnerungsstücke ist als Bild in dem Buch festgehalten. Die vielen Illustrationen von Maira Kalmann geben dem Buch eine ganz besondere Note.

„43 Gründe, warum es AUS ist“ liest man an einem Stück durch, ohne es zu merken Die Geschichte gehört zu denjenigen, die spannend sind, ohne allzu viel Action zu beinhalten. Vielmehr zieht sie den Leser langsam in den Bann und so ist es gut möglich (bei mir war es zumindest der Fall), dass man erst wieder von den Seiten hochschaut, nachdem man die letzte Seite des Roman umgeblättert hat und das wohlige Gefühl einer perfekt geschriebenen Geschichte sich im ganzen Körper breit gemacht hat.

Mich stört an dem Buch einzig die Tatsache, dass der Buchklappentext der deutschen Hardcoverausgabe schon das verrät, was in der Geschichte an sich erst ganz am Ende herauskommt, was der letzte entscheidende Grund für die Trennung ist. Diesen Spoiler hätte man meiner Meinung nach vermeiden können. Aber nun gut.

Zu dem Roman „43 Gründe, warum es AUS ist“ gibt es mindestens dreiundvierzig Gründe, die Geschichte zu lesen. Sie ist spannend und unterhaltsam. Sie ist schön und traurig zugleich. Die Charaktere sind toll, der Schreibstil ebenfalls. Daniel Handlers Art mit der Sprache zu experimentieren ist genial. „43 Gründe, warum es AUS ist“ – eine absolute Leseempfehlung!

Hier könnt ihr euch den Roman aus dem Hanser-Verlag bestellen.

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4 Gedanken zu “*Rezension* 43 Gründe, warum es AUS ist

  1. buchstabentraeume schreibt:

    Ja, das Buch ist wirklich… anders. 😉 Mich konnte es nicht ganz überzeugen. Ich glaube, es gab 3 oder 3,5 Sterne dafür… Den Einstieg fand ich genial, vor allem sprachlich. Aber die Handlung war dann eher uninteressant und konnte mich nicht fesseln. Aber es freut mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat. 🙂

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