*Rezension* Extradunkel


Extradunkel

 (2/5)

Anya Balanchine ist kaum den Kinderschuhen entwachsen und plant nun ihr einzigartiges Projekt. Im Jahre 2084 plant sie in New York, wo Schokolade als illegal eingestuft wird, einen Nachtclub der besonderen Art zu eröffnen. „Dunkelkammer“ soll sie sich nennen und Schokoladengetränke offiziell als Arznei auf Rezept anbieten. Für dieses waghalsige Vorhaben schließt sie sich mit ihrem ehemaligen Erzfeind Nummer 1 zusammen: Charles Delacroix.

Doch ihr Projekt stößt nicht nur auf Zustimmung. Ihre große Liebe Win versteht nicht, warum sich Anya plötzlich mit seinem verhassten Vater abgibt und ist enttäuscht, dass ihr das Geschäft anscheinend wichtiger ist als seine Liebe zu ihr. Daraufhin wendet Win sich von Anya ab. Diese ist in der Zwischenzeit damit beschäftigt, die „Dunkelkammer“ am Laufenden zu halten. Und dann sind da noch ihre zwei alte Freunde, Theo und Yuji, die wiederauftauchen und sich ganz besondere Verhältnisse von Anyas neuem Geschäft versprechen.

„Extradunkel“ ist der dritte Band und damit der Abschluss der Trilogie rund um Anya Balanchine und ihre Welt, in der Schokolade gegen das Gesetz verstößt. Der erste Band „Bitterzart“ hat mir super gefallen, den Nachfolgeband „Edelherb“ fand ich ganz solide. Mit „Extradunkel“ findet die Reihe der Bestsellerautorin Gabrielle Zevin nun einen blassen Abschluss, der durchaus hätte mehr werden können.

Während in den ersten beiden Bänden der Mafia-Flair der Geschichte überwiegt, scheint Anya Balanchines Familie nun weitestgehend in den Hintergrund zu rücken. Vielmehr konzentriert sich der Großteil des Abschlussbandes auf Anyas Geschäft. Der Name ihres Nachtclubs, das ultimative Rezept für das ultimative Clubgetränk, die Frage, ob, wie und wo sie expandieren soll. Was einst eine spannende Geschichte in einer dystopischen Welt voller Abenteuer war, gleicht nun eher einem Protokoll über die Geschäftsführung eines Nachtclubs. „Extradunkel“ baut an mehreren Stellen stark ab.

Anya Balanchine habe ich während des Lesens als ein Kind wahrgenommen, das viel zu schnell erwachsen wurde und aus diesem Grund Aufgaben übernehmen und Entscheidungen treffen muss, für die es noch längst nicht bereit ist. So nimmt sie zum Beispiel nach dem Tod ihrer Eltern die Erziehung ihrer jüngeren Schwester Natty in die Hand, muss jedoch einsehen, dass diese sie nicht als Elternersatz willkommen heißt und ihren ganz eigenen Kopf hat.

Anya hat viel zu tun, übernimmt als 18-jähriges Mädchen schon die Geschäftsführung eines semi-legalen Nachtclubs und muss sich mit Natty und deren Liebesprobleme herumschlagen. Und als wäre das alles nicht genug, kommen auch noch ihre eigenen Beziehungskrisen hinzu. Theo kommt aus Mexiko nach New York, hilft Anya bei der „Dunkelkammer“ und kommt ihr immer näher. Nach einiger Zeit taucht auch ihr Geschäftspartner Yuji aus Japan wieder auf und bittet Anya in ganz eigener Sache um einen Gefallen. Die Charaktere haben alle eigene Sorgen und Probleme, jedoch bekommt man als Leser von jeder Figur nur blasse Merkmale präsentiert. Ich wurde beim Lesen weder mit Yuji, noch mit Anjas Familienmitgliedern warm, welche hier und da in der Geschichte auftauchen und genauso schnell wieder verschwinden. Diese scheinen fast nur mit in den Plot eingebaut worden zu sein, um die Stimmung eines düsteren Mafia-Hintergrunds aufleben zu lassen.

Die einzelnen Kapitel des Buches tragen Überschriften in vollen Sätzen, die alle in der Ich-Form formuliert sind. Das dritte Kapitel lautet somit etwa: „Ich nehme die Hilfe eines alten Freundes in Anspruch, zweifle einen Moment lang, ringe mit dem Konzept des Tanzens und küsse einen schönen Fremden“. Diese Satzstrukturen als Kapiteltitel sind zwar eine nette Idee, verraten an einigen Stellen jedoch auch schon den weiteren Inhalt der Geschichte, sodass ihr die Spannung genommen wird.

„Extradunkel“ ist der Abschluss der „Bitterzart“-Trilogie, welche schokoladensüß angefangen hat und nun in ihrem Abschluss einen bitteren Geschmack entstehen lässt.

Den Roman aus dem Fischer FJB-Verlag kann man sich hier bestellen.

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