*Rezension* Tage mit Leuchtkäfern


 (3/5)

 

Gandhis Leben wäre so toll, wenn es nicht so schrecklich wäre. Sie fühlt sich unverstanden in dieser Welt, hat keine richtigen Freunde oder sonstige Bezugspersonen, mit denen sie sprechen könnte. Sie übt sich in Selbstbeherrschung, indem sie das Essen meidet und wenn sie die Kontrolle verliert, versucht sie dies zu kompensieren, in dem sie die Speisen wieder auskotzt.

Eines Tages entdeckt sie auf der Straße liegend einen Jungen namens Fred, der einen Schneeengel macht. Sie freunden sich an und schon bald lädt Fred sie zu ihm nach Hause ein. Dort lernt Gandhi seine Freunde kennen. Fabien, Lynn, Amira und Noah – sie alle wirken so vergnügt und unbeschwert, dass es Gandhi eine Freude ist, bei ihnen zu sein und zu ihnen gehören zu dürfen. Doch Fred und seinen Freunden verbindet ein düsteres Geheimnis – sie alle haben einen Selbstmordversuch hinter sich…

 

„Tage mit Leuchtkäfern“ ist kein leichtes Buch. Auch wenn die Figuren des Romans miteinander Witze reißen und lachen, so legt sich doch eine düstere und traurige Grundatmosphäre über die Geschichte. Es geht um Menschen, die den Tod dem Leben vorziehen, Menschen, denen schreckliche Dinge widerfahren sind und die eine große innere Verzweiflung hegen, auch wenn sie diese nicht immer zeigen. Es geht um Personen, die total glücklich und todtraurig zugleich sein können.

 

Gandhi ist ein 15-jähriges Mädchen mit einer Essstörung. Zudem hat sie viele Probleme mit ihrer Mutter. Sie ist traurig und verachtet sich selbst. Da erscheint es ideal, dass ihre neuen Freunde sie auffangen. Leider haben diese selbst mit Problemen zu kämpfen. Ich habe versucht, mich mit Gandhi anzufreunden, doch leider wurde ich nicht richtig warm mit ihr. Sie gibt uns einen Einblick in ihr Leben, aber es scheint, als sehen wir Leser nur die Spitze eines gigantischen Eisbergs, das im Meer versteckt ist. Wir wissen, dass Gandhi Essstörungen hat, doch die Gründe dafür werden kaum erläutert. Wir wissen, dass sie unglücklich und traurig ist, aber sie erzählt zu wenig von ihrer Person, als dass ich mich als Leserin wirklich hätte in sie hineinversetzen können.

Genauso erging er mir auch mit den anderen Charakteren der Geschichte. Die Freunde von Gandhi tauchen alle mit einem Schlag in der Geschichte aus. Zwar werden sie kurz genauer beschrieben, doch es fiel mir beim Lesen schwer, die einzelnen Personen auseinanderzuhalten und wenn Lynn etwas gesagt oder getan hatte, so hätte es für mich genauso gut Amira gewesen sein können. Die Figuren vermischten sich, zugleich blieben sie schwammig und so hatte ich das Gefühl, die Geschichte hinter einer Milchglasscheibe zu betrachten.

 

Ich denke, dass ein paar Seiten mehr der Geschichte gut getan hätten. Eine genauere Skizzierung der Figuren mitsamt ihrer Hintergründe hätte ich mir gewünscht. Das Ende kam für mich zu überraschend und ließ mich als Leserin im Unverständnis zurück.

 

Der Schreibstil der Autorin dagegen ist leicht und auf eine gewisse Art ehrlich. Zoe Hagen (geboren 1994) schreibt aus der Ich-Perspektive der Gandhi. Sie lässt ihre Protagonistin in Briefen von ihren Gefühlen erzählen und führt uns so durch die Geschichte. Ich mag den subtilen Witz, der in den Worten der Autorin steckt, ebenso wie die ab und zu eingestreuten Aphorismen.

 

„Tage mit Leuchtkäfern“ ist eine ernste Geschichte mit guten Ansätzen. Erzählt wird das Leben mit seinen Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden. Leider jedoch blieben die Figuren des Romans für mich nur schwammig.

 

Hier geht es zur Verlagswebsite und zur Bestellung des Buches.

 

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