*Rezension* Mein bester letzter Sommer


 (4/5)

 

Tessa ist ich sicher, als eine Jungfrau ohne Führerschein zu sterben, schließlich ist sie todkrank. Sie hat ein Loch im Herzen und ihr fehlt die Lungenschlagader, im Klartext bedeutet das, dass ihr nur noch wenige Tage zum Leben bleiben. Diese wenigen Tage möchte sie in ihrem Zimmer in München verbringen, abgeschottet von der Rest der Welt und in Mitleid versunken mit sich selbst. Doch sie hat die Rechnung ohne Oskar gemacht. Eines Abends bekommt sein Vater Besuch von einem alten Studienfreund, der seinen Sohn mitbringt. Tessa ist gleich von Beginn an fasziniert von Oskar, der ihre Gefühle erwidert. Sie beschließen, den Sommer zusammen zu verbringen und nach Italien zu reisen. Wohlwissend, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben, sondern nur für den Moment leben.

Man kennt sie schon, die Geschichten über das Kranksein, über die letzten Wochen vor dem Tod, über abzuarbeitende To-Do-Listen und Liebesbeziehungen ohne das Morgen. Und auch wenn „Mein bester letzter Sommer“ keine Ausnahme von diesem Schema darstellt, hat die Geschichte eine Atmosphäre geschaffen, die mich dazu gebracht hat, immer weiter zu lesen. Letztlich habe ich Tessa und Oskars Geschichte innerhalb von einem Vormittag durchgelesen. Was zurückbleibt, ist das Gewissen, dass Tessa eine wunderbare starke Frau ist und Oskar der beste Freund, den man sich wünschen kann.

Anne Freytag schafft es, diese Momente in einer Beziehung mithilfe der Ich-Perspektiven von Tessa und Oskar einzufangen, die zwar kitschig sind, aber innerhalb der kleinen Welt, die sich zwei Liebende geschaffen haben, auch Perfektion darstellen. Nicht nur Tessa musste grinsen, wenn sie mal wieder einen on Oskars Nachrichten las, auch ich musste es. Nicht nur Tessa musste lachen, wenn sie merkte, wie verrückt sie sich gerade benahmen. Die ganze Geschichte ist todtraurig, und doch schafft es die Autorin durch die Lebendigkeit ihrer Figuren ein Stück Leichtigkeit in den Plot mit einzuweben. Das ist eine große Leistung, die das Lesen so viel entspannender macht.

Oskar ist ein toller junger Mann, der diese Begabung hat, die Traumprinzen typischerweise in Büchern haben: Ja, auch er sagt immer das Richtige und scheint Tessa ohne Worte zu verstehen. Tessa hingegen ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Leidenschaft zu Oskar und ihrem Wunsch, ihn nicht durch ihren Tod zu verletzen. Sie ist zu Beginn der Geschichte ein schüchternes und unsicheres Mädchen, das in ihrem bisherigen Leben nach Perfektion gestrebt hat und immer in allem die Beste sein wollte. Nun entdeckt sie dank Oskar neue Facetten ihres Ichs und lernt, einfach mal zu leben, anstatt über alles dreimal nachzudenken.

Stellenweise ging mir die Handlung zu schnell, sodass mir die Geschichte unwirklich vorkam. Dies war etwa dann der Fall, als Tessa sich die Beziehung zu Oskar schon genau ausgemalt hatte, ohne dass man zu diesem Zeitpunkt von einer Beziehung hätte sprechen können.

Irgendwann überlagern sich zudem mehrere Schicksalsschläge der Protagonisten direkt hintereinander, die das Ganze zum einen unfassbar traurig und zum anderen aber auch etwas verzerrt wirken lassen, gerade so, als hätte man nach einem Gipfel an Dramatik gesucht, um dem Roman eine gewisse Würze zu verleihen, die er eigentlich nicht braucht.

„Mein bester letzter Sommer“ ist eine schöne Geschichte über das Leben und den Tod, auf weniger pathetischer Ebene aber ist es einfach die Geschichte zweier Menschen, die sich kennengelernt haben und sich wirklich mögen. Die Geschichte von Tessa und Oskar. Die Geschichte von Teskar.

 

Hier könnt ihr euch die Geschichte aus dem Heyne-Verlag bestellen.

 

 

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