*Rezension* Mein bester letzter Sommer

 (4/5)

 

Tessa ist ich sicher, als eine Jungfrau ohne Führerschein zu sterben, schließlich ist sie todkrank. Sie hat ein Loch im Herzen und ihr fehlt die Lungenschlagader, im Klartext bedeutet das, dass ihr nur noch wenige Tage zum Leben bleiben. Diese wenigen Tage möchte sie in ihrem Zimmer in München verbringen, abgeschottet von der Rest der Welt und in Mitleid versunken mit sich selbst. Doch sie hat die Rechnung ohne Oskar gemacht. Eines Abends bekommt sein Vater Besuch von einem alten Studienfreund, der seinen Sohn mitbringt. Tessa ist gleich von Beginn an fasziniert von Oskar, der ihre Gefühle erwidert. Sie beschließen, den Sommer zusammen zu verbringen und nach Italien zu reisen. Wohlwissend, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben, sondern nur für den Moment leben.

Man kennt sie schon, die Geschichten über das Kranksein, über die letzten Wochen vor dem Tod, über abzuarbeitende To-Do-Listen und Liebesbeziehungen ohne das Morgen. Und auch wenn „Mein bester letzter Sommer“ keine Ausnahme von diesem Schema darstellt, hat die Geschichte eine Atmosphäre geschaffen, die mich dazu gebracht hat, immer weiter zu lesen. Letztlich habe ich Tessa und Oskars Geschichte innerhalb von einem Vormittag durchgelesen. Was zurückbleibt, ist das Gewissen, dass Tessa eine wunderbare starke Frau ist und Oskar der beste Freund, den man sich wünschen kann.

Anne Freytag schafft es, diese Momente in einer Beziehung mithilfe der Ich-Perspektiven von Tessa und Oskar einzufangen, die zwar kitschig sind, aber innerhalb der kleinen Welt, die sich zwei Liebende geschaffen haben, auch Perfektion darstellen. Nicht nur Tessa musste grinsen, wenn sie mal wieder einen on Oskars Nachrichten las, auch ich musste es. Nicht nur Tessa musste lachen, wenn sie merkte, wie verrückt sie sich gerade benahmen. Die ganze Geschichte ist todtraurig, und doch schafft es die Autorin durch die Lebendigkeit ihrer Figuren ein Stück Leichtigkeit in den Plot mit einzuweben. Das ist eine große Leistung, die das Lesen so viel entspannender macht.

Oskar ist ein toller junger Mann, der diese Begabung hat, die Traumprinzen typischerweise in Büchern haben: Ja, auch er sagt immer das Richtige und scheint Tessa ohne Worte zu verstehen. Tessa hingegen ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Leidenschaft zu Oskar und ihrem Wunsch, ihn nicht durch ihren Tod zu verletzen. Sie ist zu Beginn der Geschichte ein schüchternes und unsicheres Mädchen, das in ihrem bisherigen Leben nach Perfektion gestrebt hat und immer in allem die Beste sein wollte. Nun entdeckt sie dank Oskar neue Facetten ihres Ichs und lernt, einfach mal zu leben, anstatt über alles dreimal nachzudenken.

Stellenweise ging mir die Handlung zu schnell, sodass mir die Geschichte unwirklich vorkam. Dies war etwa dann der Fall, als Tessa sich die Beziehung zu Oskar schon genau ausgemalt hatte, ohne dass man zu diesem Zeitpunkt von einer Beziehung hätte sprechen können.

Irgendwann überlagern sich zudem mehrere Schicksalsschläge der Protagonisten direkt hintereinander, die das Ganze zum einen unfassbar traurig und zum anderen aber auch etwas verzerrt wirken lassen, gerade so, als hätte man nach einem Gipfel an Dramatik gesucht, um dem Roman eine gewisse Würze zu verleihen, die er eigentlich nicht braucht.

„Mein bester letzter Sommer“ ist eine schöne Geschichte über das Leben und den Tod, auf weniger pathetischer Ebene aber ist es einfach die Geschichte zweier Menschen, die sich kennengelernt haben und sich wirklich mögen. Die Geschichte von Tessa und Oskar. Die Geschichte von Teskar.

 

Hier könnt ihr euch die Geschichte aus dem Heyne-Verlag bestellen.

 

 

*Rezension* Tage mit Leuchtkäfern

 (3/5)

 

Gandhis Leben wäre so toll, wenn es nicht so schrecklich wäre. Sie fühlt sich unverstanden in dieser Welt, hat keine richtigen Freunde oder sonstige Bezugspersonen, mit denen sie sprechen könnte. Sie übt sich in Selbstbeherrschung, indem sie das Essen meidet und wenn sie die Kontrolle verliert, versucht sie dies zu kompensieren, in dem sie die Speisen wieder auskotzt.

Eines Tages entdeckt sie auf der Straße liegend einen Jungen namens Fred, der einen Schneeengel macht. Sie freunden sich an und schon bald lädt Fred sie zu ihm nach Hause ein. Dort lernt Gandhi seine Freunde kennen. Fabien, Lynn, Amira und Noah – sie alle wirken so vergnügt und unbeschwert, dass es Gandhi eine Freude ist, bei ihnen zu sein und zu ihnen gehören zu dürfen. Doch Fred und seinen Freunden verbindet ein düsteres Geheimnis – sie alle haben einen Selbstmordversuch hinter sich…

 

„Tage mit Leuchtkäfern“ ist kein leichtes Buch. Auch wenn die Figuren des Romans miteinander Witze reißen und lachen, so legt sich doch eine düstere und traurige Grundatmosphäre über die Geschichte. Es geht um Menschen, die den Tod dem Leben vorziehen, Menschen, denen schreckliche Dinge widerfahren sind und die eine große innere Verzweiflung hegen, auch wenn sie diese nicht immer zeigen. Es geht um Personen, die total glücklich und todtraurig zugleich sein können.

 

Gandhi ist ein 15-jähriges Mädchen mit einer Essstörung. Zudem hat sie viele Probleme mit ihrer Mutter. Sie ist traurig und verachtet sich selbst. Da erscheint es ideal, dass ihre neuen Freunde sie auffangen. Leider haben diese selbst mit Problemen zu kämpfen. Ich habe versucht, mich mit Gandhi anzufreunden, doch leider wurde ich nicht richtig warm mit ihr. Sie gibt uns einen Einblick in ihr Leben, aber es scheint, als sehen wir Leser nur die Spitze eines gigantischen Eisbergs, das im Meer versteckt ist. Wir wissen, dass Gandhi Essstörungen hat, doch die Gründe dafür werden kaum erläutert. Wir wissen, dass sie unglücklich und traurig ist, aber sie erzählt zu wenig von ihrer Person, als dass ich mich als Leserin wirklich hätte in sie hineinversetzen können.

Genauso erging er mir auch mit den anderen Charakteren der Geschichte. Die Freunde von Gandhi tauchen alle mit einem Schlag in der Geschichte aus. Zwar werden sie kurz genauer beschrieben, doch es fiel mir beim Lesen schwer, die einzelnen Personen auseinanderzuhalten und wenn Lynn etwas gesagt oder getan hatte, so hätte es für mich genauso gut Amira gewesen sein können. Die Figuren vermischten sich, zugleich blieben sie schwammig und so hatte ich das Gefühl, die Geschichte hinter einer Milchglasscheibe zu betrachten.

 

Ich denke, dass ein paar Seiten mehr der Geschichte gut getan hätten. Eine genauere Skizzierung der Figuren mitsamt ihrer Hintergründe hätte ich mir gewünscht. Das Ende kam für mich zu überraschend und ließ mich als Leserin im Unverständnis zurück.

 

Der Schreibstil der Autorin dagegen ist leicht und auf eine gewisse Art ehrlich. Zoe Hagen (geboren 1994) schreibt aus der Ich-Perspektive der Gandhi. Sie lässt ihre Protagonistin in Briefen von ihren Gefühlen erzählen und führt uns so durch die Geschichte. Ich mag den subtilen Witz, der in den Worten der Autorin steckt, ebenso wie die ab und zu eingestreuten Aphorismen.

 

„Tage mit Leuchtkäfern“ ist eine ernste Geschichte mit guten Ansätzen. Erzählt wird das Leben mit seinen Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden. Leider jedoch blieben die Figuren des Romans für mich nur schwammig.

 

Hier geht es zur Verlagswebsite und zur Bestellung des Buches.

 

*Rezension* Das Lachen und der Tod

  (5/5)

Ernst Hoffmann ist Kabarettist, Komiker – und Halbjude. Letzteres wird ihm zum Verhängnis, im Jahre 1944 wird er nach Auschwitz deportiert. Im Transportwaggon lernt er eine wunderschöne Frau namens Helena kennen, in die er sich dem Schicksal zum Trotz verliebt. Nach der Ankunft in Auschwitz trennen sich ihre Wege, doch er kann sie nicht vergessen. Der Barackenälteste Schlomo, der es gut mit ihm und den anderen Gefangenen meint, findet heraus, dass Helena noch am Leben ist. Er sorgt für den heimlichen Briefkontakt zwischen Helena und Ernst, im Gegenzug verspricht der Komiker, jeden Tag für einen Lacher in der Baracke zu sorgen. „Jeden Tag ein Lacher“ gehört schon bald zum festen Abendprogramm: am Abend versammeln sich alle Gefangenen und jemand erzählt einen Witz oder eine lustige Begebenheit. So versuchen die Menschen für einen Augenblick lang das Grauen des KZ-Alltags zu vergessen und wieder zu spüren, was es heißt, fröhlich zu sein.

Irgendwann erfährt der Lagerkommandant von Ernst Hoffmanns Talent als Komiker und bietet ihm an, in Zukunft für die Unterhaltung der SS-Leute zu sorgen. Im Gegenzug würde er besser behandelt werden und müsste nicht mehr unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Ernst lehnt zunächst ganz entschieden ab. Doch dann merkt er, dass hier nicht nur sein eigenes Wohl im Spiel steht, sondern auch das seiner großen Liebe Helena…

„Das Lachen und der Tod“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der grausamsten Bedingungen ausgesetzt wird und dennoch für das weiterkämpft, was andere schon längst verloren habe: für Liebe, für Hoffnung und für den Glauben, dass man der Tragödie nie das letzte Wort überlassen darf.

Während des Lesens lief mir des Öfteren ein kalter Schauer über den Rücken, einige Gewaltszenen werden allzu bildhaft beschrieben und man hat als Leser das Gefühl, für einen Moment selbst in der Baracke von Ernst zu liegen, neben Fäkalien, neben Menschen, die eher tot als lebendig sind, und neben dem Gestank nach Tod und Verwesung.

Pieter Webeling erschafft auf 300 Seiten eine bedrückende, grausame und doch mit Lachen und Hoffnung gespickte Atmosphäre, die auch nach dem Zuklappen des Buchdeckels den Leser noch lange begleitet. Die Geschichte vor dem realen Schauplatz ist unfassbar traurig, doch Ernst erlebt auch Momente der Freude, so dass der Leser das Schicksal des jungen Ernst mit sehr viel Empathie mit verfolgt.

Ernst ist in allen Facetten ein sehr beeindruckender Charakter, wobei „beeindruckt“ trotz langer Überlegung doch das falsche Wort ist. Wie beschreibt man eine Person, die in Ausschwitz lachen kann? Wie charakterisiert man jemanden, der der allgegenwärtigen Angst vor dem Tode trotzt und seiner Freundin Liebesbriefe schreibt? Ernst ist beeindruckend, ja. Er ist mutig und gibt die Hoffnung nicht auf, in all der Grausamkeit des Konzentrationslagers etwas Menschliches zu finden.

Die Komik in der Geschichte wirkt keinesfalls falsch oder gestellt, was bei so heiklen Themen durchaus passieren kann. Webeling gelingt es, ein bedrückendes Szenario mit der Liebe eines Menschen auf so plausible Art zu verbinden, dass man sich als Leser wünscht, Ernst Hoffmann gekannt zu haben. Seine Charakterstärke ist ohnegleichen, sein Humor einmalig.

Aber er ist keinesfalls die einzige Figur, die den Leser nachdenklich stimmt. Da ist da noch Schlomo, der Barackenälteste, der sich wirklich um seine Baracke kümmert, anstatt diese verkümmern zu lassen. Wie oft schon hat er Ernst ein Stück Essen zugeschoben, wie oft schon hat er auf eigene Gefahr für den Briefwechsel zwischen Ernst und Helena gesorgt. Schlomo ist ein älterer Herr, von den Gräueltaten der Nazis geprägt und dennoch in der Lage, gut zu seinen Mitmenschen zu sein.

Und was ist mit dem Lagerkommandanten? Enspricht er dem typischen deutschen Soldaten unter Hitlers Fahne, wenn es denn den „typischen Soldaten“ gab? Der Lagerkommandant hat ein gepflegtes Äußeres und ein Lächeln auf den Lippen. Ein Lächeln bei der Geburtstagsfeier seines Sohnes, das er mit viel Herzblut organisiert. Und ein Lächeln beim Durchwinken eines kleinen Jungen, den er damit direkt in die Gaskammer schickt. Er möchte Ernst und Helena helfen und ihr Leben um einiges erträglicher machen, doch was er dafür verlangt, ist ein hoher Preis, der nicht in Geld gemessen werden kann.

Pieter Webeling hat eine Geschichte erschaffen, die zeigt, wie diese auf den ersten Blick so gegensätzlichen Begriffe Lachen und Tod doch nebeneinander existieren können. Sie beeindruckt, berührt und lässt den Leser mit einem mulmigen und beklommenen Gefühl zurück. Eine klare Leseempfehlung!

Hier kann man sich das Buch aus dem Blessing-Verlag bestellen.

 

 

*Rezension* Das Licht zwischen den Meeren

(5/5)

Tom Sherbourne ist ein Leuchtturmwärter und führt mit seiner Frau Isabel ein glückliches Leben auf der Insel Janus Rock. Ihr Eheglück wird jedoch durch drei Fehlgeburten getrübt. Isabel verliert die Hoffnung auf Nachwuchs und gibt sich ihrer Traurigkeit hin. Eines Tages strandet ein Boot auf der Insel. In dem Boot liegt eine Leiche und ein gesundes Baby. Tom muss sich an die Vorschriften halten und den Fall melden. Doch seine Frau verhindert dies. Kann es wirklich Zufall sein, dass kurz nach einer Fehlgeburt ein Kind wie aus dem heiteren Himmel Isabel in die Arme fällt? Sie überzeugt ihren Mann, das Baby erst einmal zu behalten, da der Vater des Kindes offensichtlich tot und die Mutter höchstwahrscheinlich ebenfalls verstorben ist. Die Familie erlebt auf der Insel eine glückliche Zeit mit dem Baby, das sie Lucy nennen. Doch als die Familie nach zwei Jahren wieder auf das Festland zurückkehren, stellen Tom und Isabel fest, dass Lucys leibliche Mutter noch lebt und vor Trauer über den Verlust ihres Mannes und ihrer Tochter fast den Verstand verliert.

„Das Licht zwischen den Meeren“ ist eine Geschichte, deren Schönheit man erst dann versteht, wenn man sie gelesen hat. Es steckt so viel Gefühl in den knapp 450 Seiten, so viel Spannung, Dramatik und vor allem Lebendigkeit, dass ich dieses Buch in den letzten Tagen einfach überallhin mitgenommen habe, um weiterlesen zu können.

Der Schreibstil von M. L. Stedman ist brilliant. Sie schreibt lyrisch und versteht die Kunst, falsche Wörter wegzulassen. Als Leser „klebt man“ an ihren Worten. In der Geschichte sind so viele schöne Sätze und Weisheiten zu finden, dass es sich allein schon deswegen lohnt, das Buch zu kaufen.

Isabel und Tom sind tolle Menschen, denen viel im Leben widerfahren ist. Sie sind nicht böse, wollen niemandem Schaden zufügen und dennoch haben sie das Leben der leiblichen Mutter von Lucy zerstört. Doch kann man ihnen das wirklich übel nehmen? Tom, der im Krieg kämpfen musste und sich nichts sehnlicher als ein ruhiges Leben wünscht. Isabel, die nach drei Fehlgeburten frühzeitig in die Wechseljahre kommt und auf natürlichem Wege keine Babys mehr bekommen kann. Ein Ehepaar, das viel Leid ertragen musste. Ein Ehepaar, das sich ein Kind wünscht. Die Grenzen zwischen Richtig und Falsch verschwimmen in dem Roman. Der Leser weiß, dass Hannah, die leibliche Mutter von Lucy, ein Recht auf das Kind hat. Der Leser weiß, dass Tom und Isabel nicht einfach so ein gestrandetes Baby behalten dürfen und dennoch kann er die Entscheidung der selbsternannten Eltern nachvollziehen. Ihre Verzweiflung nach all den Fehlgeburten, ihr Glück über die Ankunft der kleinen Lucy und all die gemischten Gefühle, die in den Jahren danach noch auf sie einströmen.

M. L. Stedman erzählt wunderbar poetisch die Geschichte einer Familie, deren Glück auf dem Unglück einer anderen Frau beruht. Das Besondere an dem Roman? Man versteht einfach die Personen. Man weiß, wie sie denken und warum sie diese und keine anderen Entscheidungen fällen. Man spürt fast selbst die Trauer, den Zorn, die Freude, Die Hoffnung und Enttäuschung der Menschen, die in dem Roman eine Rolle spielen.

Und dann ist da noch die kleine Lucy, die eigentlich auf dem Namen Grace getauft wurde. Es ist eine Freude zu lesen, wie sie langsam heranwächst. Sie ist so kindlich und die Beschreibung ihrer niedlichen Art lässt mir das Herz aufgehen. =)

„Das Licht zwischen den Meeren“ ist eine emotionale, schöne und traurige Geschichte über Entscheidungen und Moral, die manchmal nicht mit der Liebe in Einklang gebracht werden kann. Absolute Leseempfehlung (und am besten schon mal Taschentücher bereithalten)!

Hier kann man sich die melancholische Geschichte aus dem Limes-Verlag bestellen!

*Rezension* Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket

 

 (5/5)

Die Familie Brocket ist stolz darauf, als stinknormale Familie durchzugehen. Alistair ist schließlich ein ganz normaler Mann und Eleanor seine ganz normale Frau. Zusammen haben sie zwei Kinder, die ganz normal sind. Doch dann wird das dritte Kind geboren und zu dem großen Schrecken der Eltern ist dieses absolut unnormal. Denn Barnaby Brocket, das besagte dritte Kind, schwebt! Wenn ihn niemand aufhält, wenn er keine verstärkten Eisenschuhe anhat oder einen mit Sandsäcken gefüllten Rucksack trägt, kann Barnaby nicht anders: er trotzt der Schwerkraft und schwebt unaufhörlich nach oben. Für das Ehepaar Brocket ist Barnaby eine Katastrophe: mit solch „anderen“ Menschen wollen sie nichts zu tun haben. Und so lassen sie Barnaby, als er acht Jahre alt ist, einfach in den Himmel schweben. Hier begegnet Barnaby zwei alten Damen in einem Heißluftballon, die in ein Stück mitnehmen. So beginnen die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket.

John Boyne ist als Autor von dem Werk „Der Junge im gestreiften Pyjama“ bekannt, das ich auch schon vor langer Zeit gelesen habe. Nun ist sein neuer Roman für Kinder erschienen. Ein Roman, der es in sich hat. Auf eine äußerst kluge Art und Weise vermitteln uns John Boyne eine wichtige Botschaft: es ist nicht schlimm, anders zu sein. Vielmehr gehört die Andersartigkeit einfach zur Person, sie steckt tief in uns drin. Wer bestimmt überhaupt, dass man anders ist, als – nun ja- Andere? Und wie würden wir uns fühlen, wenn wir nicht wir wären, mit all unseren „Andersartigkeiten“? Auf all diese Fragen liefert uns der Autor Antworten, die auch für junge Kinder verständlich sind und dennoch so intelligent und philosophisch geschrieben, dass man stundenlang über die Aussagen nachdenken kann.

Barnaby Brocket ist ein Junge, den ich in mein Herz geschlossen habe. Er ist ein kleiner Junge, der voller Liebe und kindlicher Naivität steckt. Er hilft anderen Menschen, auch wenn er dies gar nicht richtig wahrnimmt. Er hilft ihnen allein durch seine Worte und durch seine ehrliche und offene Art. Er wirkt so lieb, so unschuldig. Er wirkt wie ein Kind, das fest von dem Guten auf der Welt überzeugt ist.

Barnabys Eltern hingegen sind genau das Gegenteil. Als Menschen, die jegliche Art von Abnormalität verabscheuen, können sie es nicht ertragen, Barnaby weiterhin großzuziehen. Was würden denn die Nachbarn sagen? Das Ehepaar Brocket legt großen Wert auf die Meinung ihrer Umwelt. Sie fühlen sich von der Gesellschaft gedrängt und geben ihren Sohn auf, auch wenn man merkt, dass zumindest bei Eleanor, Barnabys Mutter, immer noch Zweifel vorhanden ist, ob sie wirklich das Richtige tut.

„Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“ sollte man nicht verschlingen, sondern langsam verdauen. Die Geschichte steckt voller Weisheiten und schlauen Sätzen. Der Roman gehört zu denjenigen Werken, bei denen man nach dem Lesen wehmütig über den Buchrücken streicht, weil die Geschichte zu Ende ist. Ich kann allen großen und kleinen Lesern diesen wunderbaren Roman wärmstens empfehlen!

 

Hier könnt ihr euch die Geschichte aus dem Fischer-Verlag bestellen.

 

*Rezension* Silhouette – Gefährlicher Ehrgeiz

 

  (3/5)

Scarlett ist jung, ehrgeizig und talentiert. Ihr größter Wunsch ist es, nach der Tanzakademie als Solotänzerin beim Nationalballett ihr Können zeigen zu können. Doch als ein Tänzer-Casting für das neue Musikvideo des Sängers Moss ansteht, kann Scarlett nicht widerstehen. Normalerweise muss sie sich auf das Ballett konzentrieren, doch dieses Casting ist eine einmalige Chance, schon als Schülerin die Außenwelt zu überzeugen. Zusammen mit einer Freundin versucht Scarlett ihr Glück- und wird tatsächlich genommen! Doch nun beginnt erst das wahre Abenteuer: hin und hergerissen zwischen Tanzakademie und Musikvideodreh muss Scarlett versuchen, ihre Zeit optimal zu planen und sich keine Müdigkeit anmerken zu lassen. Und dann ist da noch die Sache mit Moss, mit dem sie sich sofort gut versteht…

Ich tanze selbst seit vielen Jahren Ballett und kenne mich in der Tanzwelt ein wenig aus. Somit bin ich auch mit entsprechend hohen Erwartungen an „Silhouette – Gefährlicher Ehrgeiz“ herangegangen. Nach dem Lesen kann ich sagen, dass der Roman eine ganz nette Lektüre für zwischendurch ist, mehr aber leider auch nicht.

Das Cover sieht schön aus. Man erkennt, wie der Titel schon sagt, lediglich die Silhouette einer Tänzerin. Eine Silhouette, die nicht allzu viel über den Menschen dahinter verrät. Der unscheinbare Titel bekommt im Laufe der Geschichte eine besonders wichtige Bedeutung, was mir gut gefällt.

Scarlett, die Hauptfigur der Geschichte, ist ehrgeizig. Doch ihr Ehrgeiz ist zugleich ihr großes Hindernis. Sie möchte auf jedem Gebiet die Beste sein, vor Absagen und persönlichem Versagen schreckt sie zurück. Leider konnte ich mich beim Lesen nicht mit ihr anfreunden. Sie wirkt infantil und stur. Als sie für das Musikvideo engagiert wird und den Sänger Moss kennenlernt, verliebt sie sich kurzerhand in ihn. Zum einen wegen seiner Schönheit und zum anderen wegen seiner Berühmtheit. Ja, die feine Lady ist sehr oberflächlich.

Die Nebenfiguren sind auch nicht viel besser. Sie sind so stereotypisch und es scheint, als hätte die Autorin allen Leuten ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal aufgezwungen, dass diese nun zu erfüllen hätten. Der Sänger ist mysterisch, anziehend und dennoch lässt er niemanden zu nah an sich heran, die mutter von Scarlett ist besorgt und nie richtig zufrieden mit den Dingen, die ihre Tochter macht. Überraschungen gibt es im Roman keine und wenn mal doch etwas passiert, was außerhalb des typischen Bildes einer Person liegt, so hat man als Leser diese Wendungen schon vorhersehen können.

Der Schreibstil der Autorin ist etwas langweilig. Sie beschreibt nicht viel, aber sie arbeitet auch nicht literarisch. Vielmehr macht sie einfach ihr Ding und erzählt die Geschichte an einem Stück herunter. Trotz allem konnte ich den Roman gut lesen und durch die flüssige Erzähltechnik war ich auch schon relativ schnell mit dem Buch durch. Es ist interessant, durch den Roman einen Einblick hinter die Kulissen der harten Ballettwelt zu erhalten. Jedoch wird bei der Geschichte der Fokus doch eher auf die negativen Seiten des Balletts gelegt, die positiven Dinge, das tolle Gefühl beim Tanzen, die Freude an den Premieren, die schönen Proben, das Einüben neuer Schritte…all das kommt in dem Roman zu kurz.

„Silhouette – Gefährlicher Ehrgeiz“ bescherte mir einige ganz nette Lesestunden, aber man verpasst auch nichts, wenn man diesen Roman nicht liest.

 

Vielen Dank an BdB und den Planet-Girl-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars! Hier kann man sich das Buch bestellen.

*Rezension* Eden und Orion – Lichtjahre zu dir

 (5/5)

An der Schule von Eden gibt es derzeit nur ein Thema: Ryan. Der Neue sieht unglaublich gut aus, kein Wunder, dass sich alle Mädchen Hals über Kopf in ihn verlieben. Nur Eden hält nichts von dem ganzen Spektakel, bis sie Ryan näher kennenlernt. Er scheint ganz nett zu sein, sogar mehr als das. Doch irgendwas stimmt nicht mit dem Jungen, der noch nie Pizza gegessen hat und nicht weiß, wer Hitler ist. Als Eden eines Tages bei Ryan vorbeischaut, entdeckt sie ein Buch, dass sein bester Freund Connor geschrieben hat. In der Zukunft. Doch wie ist das möglich? Sie löchert Ryan mit Fragen und findet heraus, dass dieser eine wichtige Mission zu erledigen hat, bei der sie ihm helfen muss.

Das Cover sieht wunderschön aus. Ich mag die geschwungene Schrift und der sternenübersäte Nachthimmel bekommt im Laufe der Geschichte eine ganz besondere Bedeutung.

Die Geschichte von Eden und Ryan ist flüssig geschrieben. Helen Douglas zieht den Inhalt nicht unnötig in die Länge und erschafft so auf nur 272 Seiten eine traumhafte Liebesgeschichte.

Eden ist eine liebenswürdige junge Frau. Durch die Ich-Perspektive konnte ich mich gut in Eden hineinversetzen und ihre Gefühle nachvollziehen. Sie ist ein typisches Durchschnittsmädchen, geht auf eine amerikanische High School, trifft sich gerne mit Freunden zum Shoppen und Reden und unternimmt auch gerne mal etwas mit ihrem besten Freund Conner, den sie schon seit ihrem vierten Lebensjahr kennt. Ihre Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen, seitdem lebt Eden bei ihrer Tante Miranda, einer netten Frau, die ihre Karriereträume für Eden aufgegeben hat. Während Mirandas Freund ziemlich locker und cool ist, ist Miranda selbst jedoch überfürsorglich und immer besorgt um ihre Nichte. Kein Wunder, dass sie die sich anbahnende Liebe mit Ryan nicht gutheißt, der ein ziemlicher Draufgänger ist. Ryan ist nett und romantisch, zuvorkommend und rücksichtsvoll. Helen Douglas hat mit ihm eine Person geschaffen, den der Leser sofort ins Herz schließt. Er ist total sympathisch und lustig, aber er gehört auch zu der Sorte Typen, der ohne Führerschein in einem Auto durch die Stadt rast.

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden Personen beginnt langsam und zaghaft, wie bei so vielen Liebesgeschichten. Irgendwann verlieben sie sich dann ineinander, obwohl sie so unscheinbar ist. Obwohl er doch so viele Verehrer hat. Obwohl Edens bester Freund Connor für sie schwärmt.  Zugegeben, der Kitsch ist nicht zu bestreiten, aber mich hat dieser typische Anfang einer jeden Buchromanze gar nicht so gestört, weil ich die Geschichte um Eden und Ryan einfach süß finde. Man möchte immer weiterlesen, um zu wissen, was denn nun passiert. Gegen Ende hin wurde die Geschichte für meinen Geschmack aber doch zu kitschig.

Connor ist der eifersüchtige Kumpel von Eden, der seiner Rolle alle Ehre macht. Er verhält sich Ryan gegenüber ziemlich giftig und möchte sich seine große Liebe nicht von ihm wegnehmen lassen. Sein Verhalten ist teilweise übertrieben und kindisch, aber wenn Conner nun mal wirklich so tickt, kann die Autorin ja auch nichts für. 😉

„Eden und Orion- Lichtjahre zu dir“ ist spannend, weil der Leser nach und nach immer mehr über Ryan und seine Mission erfährt. Es ist eine Geschichte mit unerwarteten Elementen und einer großen Portion Romantik. Eine Geschichte zum Träumen. Eine Geschichte zum In-einer-anderen-Welt-versinken. Eine wunderbare Geschichte über Freundschaft und Liebe.

Klare Kaufempfehlung!

Hier geht es zur Bestellung von dem tollen Buch aus dem Fischer Sauerländer-Verlag!