*Rezension* Mein bester letzter Sommer

 (4/5)

 

Tessa ist ich sicher, als eine Jungfrau ohne Führerschein zu sterben, schließlich ist sie todkrank. Sie hat ein Loch im Herzen und ihr fehlt die Lungenschlagader, im Klartext bedeutet das, dass ihr nur noch wenige Tage zum Leben bleiben. Diese wenigen Tage möchte sie in ihrem Zimmer in München verbringen, abgeschottet von der Rest der Welt und in Mitleid versunken mit sich selbst. Doch sie hat die Rechnung ohne Oskar gemacht. Eines Abends bekommt sein Vater Besuch von einem alten Studienfreund, der seinen Sohn mitbringt. Tessa ist gleich von Beginn an fasziniert von Oskar, der ihre Gefühle erwidert. Sie beschließen, den Sommer zusammen zu verbringen und nach Italien zu reisen. Wohlwissend, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben, sondern nur für den Moment leben.

Man kennt sie schon, die Geschichten über das Kranksein, über die letzten Wochen vor dem Tod, über abzuarbeitende To-Do-Listen und Liebesbeziehungen ohne das Morgen. Und auch wenn „Mein bester letzter Sommer“ keine Ausnahme von diesem Schema darstellt, hat die Geschichte eine Atmosphäre geschaffen, die mich dazu gebracht hat, immer weiter zu lesen. Letztlich habe ich Tessa und Oskars Geschichte innerhalb von einem Vormittag durchgelesen. Was zurückbleibt, ist das Gewissen, dass Tessa eine wunderbare starke Frau ist und Oskar der beste Freund, den man sich wünschen kann.

Anne Freytag schafft es, diese Momente in einer Beziehung mithilfe der Ich-Perspektiven von Tessa und Oskar einzufangen, die zwar kitschig sind, aber innerhalb der kleinen Welt, die sich zwei Liebende geschaffen haben, auch Perfektion darstellen. Nicht nur Tessa musste grinsen, wenn sie mal wieder einen on Oskars Nachrichten las, auch ich musste es. Nicht nur Tessa musste lachen, wenn sie merkte, wie verrückt sie sich gerade benahmen. Die ganze Geschichte ist todtraurig, und doch schafft es die Autorin durch die Lebendigkeit ihrer Figuren ein Stück Leichtigkeit in den Plot mit einzuweben. Das ist eine große Leistung, die das Lesen so viel entspannender macht.

Oskar ist ein toller junger Mann, der diese Begabung hat, die Traumprinzen typischerweise in Büchern haben: Ja, auch er sagt immer das Richtige und scheint Tessa ohne Worte zu verstehen. Tessa hingegen ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Leidenschaft zu Oskar und ihrem Wunsch, ihn nicht durch ihren Tod zu verletzen. Sie ist zu Beginn der Geschichte ein schüchternes und unsicheres Mädchen, das in ihrem bisherigen Leben nach Perfektion gestrebt hat und immer in allem die Beste sein wollte. Nun entdeckt sie dank Oskar neue Facetten ihres Ichs und lernt, einfach mal zu leben, anstatt über alles dreimal nachzudenken.

Stellenweise ging mir die Handlung zu schnell, sodass mir die Geschichte unwirklich vorkam. Dies war etwa dann der Fall, als Tessa sich die Beziehung zu Oskar schon genau ausgemalt hatte, ohne dass man zu diesem Zeitpunkt von einer Beziehung hätte sprechen können.

Irgendwann überlagern sich zudem mehrere Schicksalsschläge der Protagonisten direkt hintereinander, die das Ganze zum einen unfassbar traurig und zum anderen aber auch etwas verzerrt wirken lassen, gerade so, als hätte man nach einem Gipfel an Dramatik gesucht, um dem Roman eine gewisse Würze zu verleihen, die er eigentlich nicht braucht.

„Mein bester letzter Sommer“ ist eine schöne Geschichte über das Leben und den Tod, auf weniger pathetischer Ebene aber ist es einfach die Geschichte zweier Menschen, die sich kennengelernt haben und sich wirklich mögen. Die Geschichte von Tessa und Oskar. Die Geschichte von Teskar.

 

Hier könnt ihr euch die Geschichte aus dem Heyne-Verlag bestellen.

 

 

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*Rezension* Metamorphose am Rande des Himmels

Metamorphose am Rande des Himmels

 (2/5)

Tom Cloudman braucht sie, die Aufmerksamkeit, wenn er wieder einmal eines seiner atemberaubenden Kunststücke vorführt, die Anspannung kurz vor einem Auftritt, die Menschen, welche ihm applaudieren, wenn er erneut einen waghalsigen und gefährlichen Stunt einlegt. Tom ist ein leidenschaftlicher Akrobat, gilt jedoch leider auch als „schlechtesten Stuntman aller Zeiten“. Zwar wünscht er sich nichts sehnlicher, als fliegen zu können, da jedoch die irdischen Möglichkeiten begrenzt sind, zieht er sich bei dem Versuch immer wieder Verletzungen zu. Zudem wird auch sein Leben begrenzt durch die Rote Beete, so nennt er nämlich den Tumor, der in seinem Körper heranwächst und jeden Tag größer zu werden scheint. Die Rote Beete raubt ihm Kraft und Energie. Seine einzige Lichtquelle ist Endorphina, eine geheimnisvolle Vogelfrau, welche ihm ein Angebot macht. Sie könnte ihn in einen Vogel verwandeln, wenn er dies wirklich möchte. Doch der Weg der Metamorphose ist äußerst gefährlich…

Was an dem Buch auf den ersten Blick auffällt, ist das atemberaubend schöne Cover. Wie auch schon bei der Bildgestaltung zu „Die Mechanik des Herzens“ hat der Illustrator auch diesmal wieder eine zauberhafte und mystische Atmosphäre geschaffen, die direkt Lust auf das Lesen erweckt.

Die Geschichte des Autors Mathias Malzieu lebt von dem Skurrilen und von dem Vermischen der Grenzen zwischen der normalen Welt und allem Übersinnlichen. Der Schreibstil Malzieus ist von Metaphern durchwebt und voller Andeutungen. Leider waren diese Metaphern für meinen Lesegeschmack zu viel des Guten, sodass ich mit dem Schreibstil nicht warm werden konnte. Zum einen sind die Sätze des Autors kurz und wirken beinahe abgehackt, zum anderen werden viele (ja, im Grunde schon zu viele) große Worte verwendet wie „Liebe“ und „Unschuld“, die nach dem wiederholten Gebrauch einen Teil ihres Charmes einbüßen. Es ist schwierig, in Worte zu fassen, was mich genau an dem Schreibstil des Autors stört. Die Sätze sind bizarr und wunderlich, die Momente werden eingefangen, aber sie werden nicht mit der hinreichenden Authentizität beschrieben. Das ist es wohl. Authentizität. Das ist es, was mir an dem Roman gefehlt hat. Die Sätze wirken künstlich und nahezu absurd, die Erlebnisse von Tom und der Vogelfrau Endorphina erscheinen grotesk und unreal. Vielleicht wollte der Autor genau dies bezwecken. Auf mich jedoch wirkte der Stil befremdlich.

Aus diesem Grund bin ich auch nicht mit den Protagonisten des Romans zurecht gekommen. Tom und Endorphina sind zu unscharf skizziert, es scheint, als handelten sie rein willkürlich nach der Laune des Schreibers ohne jede Festigkeit der Figur.

„Metamorphose am Rande des Himmels“ war für mich leider eine Enttäuschung. Der Schreibstil des Autors ist auf eine unnahbare Art skurril, sodass mich die Geschichte letztlich nicht packen konnte.

 

Hier geht es zur Verlagswebsite und zur Bestellung des Buches.

 

*Rezension* Tage mit Leuchtkäfern

 (3/5)

 

Gandhis Leben wäre so toll, wenn es nicht so schrecklich wäre. Sie fühlt sich unverstanden in dieser Welt, hat keine richtigen Freunde oder sonstige Bezugspersonen, mit denen sie sprechen könnte. Sie übt sich in Selbstbeherrschung, indem sie das Essen meidet und wenn sie die Kontrolle verliert, versucht sie dies zu kompensieren, in dem sie die Speisen wieder auskotzt.

Eines Tages entdeckt sie auf der Straße liegend einen Jungen namens Fred, der einen Schneeengel macht. Sie freunden sich an und schon bald lädt Fred sie zu ihm nach Hause ein. Dort lernt Gandhi seine Freunde kennen. Fabien, Lynn, Amira und Noah – sie alle wirken so vergnügt und unbeschwert, dass es Gandhi eine Freude ist, bei ihnen zu sein und zu ihnen gehören zu dürfen. Doch Fred und seinen Freunden verbindet ein düsteres Geheimnis – sie alle haben einen Selbstmordversuch hinter sich…

 

„Tage mit Leuchtkäfern“ ist kein leichtes Buch. Auch wenn die Figuren des Romans miteinander Witze reißen und lachen, so legt sich doch eine düstere und traurige Grundatmosphäre über die Geschichte. Es geht um Menschen, die den Tod dem Leben vorziehen, Menschen, denen schreckliche Dinge widerfahren sind und die eine große innere Verzweiflung hegen, auch wenn sie diese nicht immer zeigen. Es geht um Personen, die total glücklich und todtraurig zugleich sein können.

 

Gandhi ist ein 15-jähriges Mädchen mit einer Essstörung. Zudem hat sie viele Probleme mit ihrer Mutter. Sie ist traurig und verachtet sich selbst. Da erscheint es ideal, dass ihre neuen Freunde sie auffangen. Leider haben diese selbst mit Problemen zu kämpfen. Ich habe versucht, mich mit Gandhi anzufreunden, doch leider wurde ich nicht richtig warm mit ihr. Sie gibt uns einen Einblick in ihr Leben, aber es scheint, als sehen wir Leser nur die Spitze eines gigantischen Eisbergs, das im Meer versteckt ist. Wir wissen, dass Gandhi Essstörungen hat, doch die Gründe dafür werden kaum erläutert. Wir wissen, dass sie unglücklich und traurig ist, aber sie erzählt zu wenig von ihrer Person, als dass ich mich als Leserin wirklich hätte in sie hineinversetzen können.

Genauso erging er mir auch mit den anderen Charakteren der Geschichte. Die Freunde von Gandhi tauchen alle mit einem Schlag in der Geschichte aus. Zwar werden sie kurz genauer beschrieben, doch es fiel mir beim Lesen schwer, die einzelnen Personen auseinanderzuhalten und wenn Lynn etwas gesagt oder getan hatte, so hätte es für mich genauso gut Amira gewesen sein können. Die Figuren vermischten sich, zugleich blieben sie schwammig und so hatte ich das Gefühl, die Geschichte hinter einer Milchglasscheibe zu betrachten.

 

Ich denke, dass ein paar Seiten mehr der Geschichte gut getan hätten. Eine genauere Skizzierung der Figuren mitsamt ihrer Hintergründe hätte ich mir gewünscht. Das Ende kam für mich zu überraschend und ließ mich als Leserin im Unverständnis zurück.

 

Der Schreibstil der Autorin dagegen ist leicht und auf eine gewisse Art ehrlich. Zoe Hagen (geboren 1994) schreibt aus der Ich-Perspektive der Gandhi. Sie lässt ihre Protagonistin in Briefen von ihren Gefühlen erzählen und führt uns so durch die Geschichte. Ich mag den subtilen Witz, der in den Worten der Autorin steckt, ebenso wie die ab und zu eingestreuten Aphorismen.

 

„Tage mit Leuchtkäfern“ ist eine ernste Geschichte mit guten Ansätzen. Erzählt wird das Leben mit seinen Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden. Leider jedoch blieben die Figuren des Romans für mich nur schwammig.

 

Hier geht es zur Verlagswebsite und zur Bestellung des Buches.

 

*Rezension* Das Lachen und der Tod

  (5/5)

Ernst Hoffmann ist Kabarettist, Komiker – und Halbjude. Letzteres wird ihm zum Verhängnis, im Jahre 1944 wird er nach Auschwitz deportiert. Im Transportwaggon lernt er eine wunderschöne Frau namens Helena kennen, in die er sich dem Schicksal zum Trotz verliebt. Nach der Ankunft in Auschwitz trennen sich ihre Wege, doch er kann sie nicht vergessen. Der Barackenälteste Schlomo, der es gut mit ihm und den anderen Gefangenen meint, findet heraus, dass Helena noch am Leben ist. Er sorgt für den heimlichen Briefkontakt zwischen Helena und Ernst, im Gegenzug verspricht der Komiker, jeden Tag für einen Lacher in der Baracke zu sorgen. „Jeden Tag ein Lacher“ gehört schon bald zum festen Abendprogramm: am Abend versammeln sich alle Gefangenen und jemand erzählt einen Witz oder eine lustige Begebenheit. So versuchen die Menschen für einen Augenblick lang das Grauen des KZ-Alltags zu vergessen und wieder zu spüren, was es heißt, fröhlich zu sein.

Irgendwann erfährt der Lagerkommandant von Ernst Hoffmanns Talent als Komiker und bietet ihm an, in Zukunft für die Unterhaltung der SS-Leute zu sorgen. Im Gegenzug würde er besser behandelt werden und müsste nicht mehr unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Ernst lehnt zunächst ganz entschieden ab. Doch dann merkt er, dass hier nicht nur sein eigenes Wohl im Spiel steht, sondern auch das seiner großen Liebe Helena…

„Das Lachen und der Tod“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der grausamsten Bedingungen ausgesetzt wird und dennoch für das weiterkämpft, was andere schon längst verloren habe: für Liebe, für Hoffnung und für den Glauben, dass man der Tragödie nie das letzte Wort überlassen darf.

Während des Lesens lief mir des Öfteren ein kalter Schauer über den Rücken, einige Gewaltszenen werden allzu bildhaft beschrieben und man hat als Leser das Gefühl, für einen Moment selbst in der Baracke von Ernst zu liegen, neben Fäkalien, neben Menschen, die eher tot als lebendig sind, und neben dem Gestank nach Tod und Verwesung.

Pieter Webeling erschafft auf 300 Seiten eine bedrückende, grausame und doch mit Lachen und Hoffnung gespickte Atmosphäre, die auch nach dem Zuklappen des Buchdeckels den Leser noch lange begleitet. Die Geschichte vor dem realen Schauplatz ist unfassbar traurig, doch Ernst erlebt auch Momente der Freude, so dass der Leser das Schicksal des jungen Ernst mit sehr viel Empathie mit verfolgt.

Ernst ist in allen Facetten ein sehr beeindruckender Charakter, wobei „beeindruckt“ trotz langer Überlegung doch das falsche Wort ist. Wie beschreibt man eine Person, die in Ausschwitz lachen kann? Wie charakterisiert man jemanden, der der allgegenwärtigen Angst vor dem Tode trotzt und seiner Freundin Liebesbriefe schreibt? Ernst ist beeindruckend, ja. Er ist mutig und gibt die Hoffnung nicht auf, in all der Grausamkeit des Konzentrationslagers etwas Menschliches zu finden.

Die Komik in der Geschichte wirkt keinesfalls falsch oder gestellt, was bei so heiklen Themen durchaus passieren kann. Webeling gelingt es, ein bedrückendes Szenario mit der Liebe eines Menschen auf so plausible Art zu verbinden, dass man sich als Leser wünscht, Ernst Hoffmann gekannt zu haben. Seine Charakterstärke ist ohnegleichen, sein Humor einmalig.

Aber er ist keinesfalls die einzige Figur, die den Leser nachdenklich stimmt. Da ist da noch Schlomo, der Barackenälteste, der sich wirklich um seine Baracke kümmert, anstatt diese verkümmern zu lassen. Wie oft schon hat er Ernst ein Stück Essen zugeschoben, wie oft schon hat er auf eigene Gefahr für den Briefwechsel zwischen Ernst und Helena gesorgt. Schlomo ist ein älterer Herr, von den Gräueltaten der Nazis geprägt und dennoch in der Lage, gut zu seinen Mitmenschen zu sein.

Und was ist mit dem Lagerkommandanten? Enspricht er dem typischen deutschen Soldaten unter Hitlers Fahne, wenn es denn den „typischen Soldaten“ gab? Der Lagerkommandant hat ein gepflegtes Äußeres und ein Lächeln auf den Lippen. Ein Lächeln bei der Geburtstagsfeier seines Sohnes, das er mit viel Herzblut organisiert. Und ein Lächeln beim Durchwinken eines kleinen Jungen, den er damit direkt in die Gaskammer schickt. Er möchte Ernst und Helena helfen und ihr Leben um einiges erträglicher machen, doch was er dafür verlangt, ist ein hoher Preis, der nicht in Geld gemessen werden kann.

Pieter Webeling hat eine Geschichte erschaffen, die zeigt, wie diese auf den ersten Blick so gegensätzlichen Begriffe Lachen und Tod doch nebeneinander existieren können. Sie beeindruckt, berührt und lässt den Leser mit einem mulmigen und beklommenen Gefühl zurück. Eine klare Leseempfehlung!

Hier kann man sich das Buch aus dem Blessing-Verlag bestellen.

 

 

*Rezension* Herz verspielt

 (2/5)

 

Ashtyn ist jung, ehrgeizig und die neu ernannte Anführerin ihres Football-Teams. Über ihren Erfolg freut sie sich riesig, doch ihr Freund Landon, der im gleichen Team spielt und sich erhofft hatte, das Team anführen zu können, kann es nicht ertragen, nur der Zweitbeste zu sein. Kurzerhand wechselt er das Team und spielt von nun an für die Erzfeinde von Ashtyns Team. Ein Schock für die ganze Mannschaft! Ashtyn kann das nicht auf sich sitzen lassen und plant Rache… doch dafür braucht sie den Stiefsohn ihrer Schwester, den Bad Boy Derek, denn sie gleichzeitig hasst und doch irgendwie anziehend findet…

 

Simone Elkeles‘ Debütroman „Du oder das ganze Leben“ hat mich damals vor Jahren einfach nur verzaubert. Da war es klar, dass ich auch ihre neuen Bücher lesen musste. „Herz verspielt“ ist nun ganz neu rausgekommen und erzählt die Geschichte von Ashtyn und Derek, die sich seit der ersten Begegnung hassen und doch die Finger nicht voneinander lassen können. Eine Liebesgeschichte, ganz nett erzählt – an die „Du oder“-Reihe kommt der Roman jedoch leider nicht ran.

 

Ich bin fasziniert von Elkeles‘ Einfallsreichtum, der bei „Du oder das ganze Leben“ in den Roman geflossen ist – mittlerweile scheint es jedoch, als würde der Autorin die Ideen ausgehen, sodass sie sich nun an Klischees bedienen muss, um Geschichten zu schreiben. Ashtyn ist ein ehrgeiziges Mädchen, das es den Jungs in ihrer Footballmannschaft unbedingt zeigen will. Derek ist der Bad Boy schlechthin, der aber natürlich auch doch so seine guten Seiten hat. Da Dereks Stiefmutter Ashtyns Schwester ist und sie zusammenziehen, können sich die beiden Jugendliche auch nicht so leicht aus dem Weg gehen. Obwohl sie aus unterschiedlichen Welten zu kommen scheinen, Ashtyn eigentlich ein fast perfektes Leben führt und Derek sich mit Schuldgefühlen aufgrund seiner Vergangenheit herumschlagen muss, kommen sie sich näher und merken, dass sie sich im Grund mögen. Ashtyn möchte jedoch nicht nur aus Spaß eine Beziehung eingehen, wenn sie sich bindet, so soll es auch etwas Ernstes sein. Für Derek hingegen besteht der Sinn einer jeden noch so flüchtigen Beziehung aus Spaß.

 

Die ersten zweihundert Seiten scheinen sich nur um die Frage zu drehen, ob Ashtyn und Derek irgendwann ein Pärchen werden oder nicht. Sie spüren selbst, dass zwischen Hass und Liebe nur ein schmaler Grad liegt und dass man die beiden Gefühle manchmal auch leicht verwechseln kann. Für meinen Geschmack war das Liebesdrama jedoch zu viel des Guten. Die Geschichte ist vorhersehbar und plätschert an vielen Stellen vor sich hin, ohne besonders viel Spannung oder Inhalt aufweisen zu können. Die Charaktere sind eher blass und scheinen nicht allzu viel Persönlichkeit vorweisen zu können.

 

Simone Elkeles hat einen lockeren Schreibstil, was sich in „Herz verspielt“ erneut zeigt. Der Roman ist eine leichte Lektüre und der Inhalt bleibt einem nicht im Gedächtnis, aber an sich liest sich die Geschichte recht schnell.

 

Wer eine ergreifende Liebesgeschichte sucht, ist bei „Herz verspielt“ an der falschen Adresse. Für alle Kitsch-und Romanzenliebhaber ist dieser Roman aber wahrscheinlich genau das Richtige.

 

Hier kann man sich die Geschichte aus dem cbt-Verlag bestellen.

*Rezension* 43 Gründe, warum es AUS ist

(5/5)

Min gibt ihrem Exfreund einen Karton mit all den 43 Dingen, die in ihrer kurzen Beziehung eine Rolle gespielt haben. Ein Winkelmesser, Ohrringe,  eine Streichholzschachtel und Rosenblätter sind nur einige der Gründe, weshalb es aus ist. Warum hat Min ihre Liebe des Lebens nach nicht mal zwei Monaten verlassen? Warum ist es aus zwischen ihr und Ed Slaterton, dem berühmten Co-Kapitän der Basketballmannschaft und heißbegehrten Mädchenschwarm? In ihrem langen Brief an Ed beschreibt Min ihre gemeinsame Zeit zu zweit und erklärt, wie die 43 Dinge in dem Karton letztlich zu dem Aus geführt haben.

Daniel Handler. Schon als ich das Buch in den Händen hielt, frisch versiegelt in der Schutzhülle, fiel mir dieser Name auf. Ist das nicht…nein. Oder doch? Ist das nicht der Mann, der unter dem Pseudonym Lemony Snicket „Eine Reihe unglaublicher Ereignisse“ geschrieben hatte? Jetzt, nach dem Lesen der Geschichte und dem anschließenden Autorenporträt weiß ich: Jaaa! Er ist es tatsächlich!

„43 Gründe, warum es AUS ist“ ist ein höchst … anderes Buch. Min ist anders. Ed ist anders (wenn auch nicht unbedingt im positiven Sinne). Der Schreibstil von Daniel Handler ist anders als sein Stil in den Kinderbüchern, die ich bisher von ihm verschlungen habe. Die Geschichte ist anders.

Daniel Handler versteht was von seinem Metier. Er schreibt spannend und erzeugt in dem Leser das gewisse Ich-muss-einfach-weiterlesen-Gefühl. Die Geschichte ist spannend, ohne actionreich zu sein, gefühlvoll, ohne kitschig zu wirken und außergewöhnlich, ohne gewollt rüberzukommen. Handler experimentiert mit der Sprache. Er gehört zu der Sorte Autor, bei denen ich schwärme, dass sie einfach SO TOLL schreiben können. Wirklich. Er schreibt schön, traurig, emotional, er fügt hier einen Wortwitz und da eine sprachliche Besonderheit hinzu, seine Aufzählungen sind klasse, sein Umgang mit der Sprache bemerkenswert gut. Daniel Handler, ja, er hat es einfach drauf.

Min ist eine tolle Persönlichkeit, auch wenn sie Dinge macht, die man zwar irgendwie nachvollziehen kann, aber dennoch als falsch bewertet. Sie ist verliebt, schwebt im siebten Himmel, hat Pläne für die gemeinsame Zukunft, möchte Spaß haben, macht schlimme Entdeckungen und leidet, weint, trauert einer gescheiterten Liebe nach und schreibt dieser Liebe letztlich einen Brief. Min ist anders. Das sagt Ed zu ihr. Das sagen viele ihrer Bekannten. Und das sage ich. Denn welches Mädchen schreibt ihrem Exfreund schon einen Brief, der Romanlänge hat? Min tut das anscheinend. Und sie ist verdammt gut darin (dank Daniel Handler, der ihren Stift führt).

Ed Slaterton, ja, wer ist Ed? Ed ist berühmt, berüchtigt und begehrt. Er ist der Star der Sportmannschaft – natürlich. Er sieht unglaublich gut aus – natürlich. Alle Mädchen wollen ihn- natürlich. Und Min kriegt ihn – natürlich. Eine High-School-Liebe, wie sie im Buche steht! Aber bemerkenswerterweise wirkt das Ganze keineswegs kitschig oder aufdringlich, sondern wie aus dem echten Leben aufgegriffen und zu Papier gebracht. Ed war mir zu Beginn ein Rätsel. Klar, Min hasst ihn mittlerweile und sie hat auch guten Grund dafür, aber so wie sie ihn in dem Brief am Anfang beschreibt, wirkt er auch ganz nett. Er ist nicht ideal, für die Rolle des Bösewichts, und das war auch sicher nie die Absicht des Autors. Ed ist ein Romantiker, einer, der liebevoll zu Min ist, der ihr zuhört und ihr Geschenke macht, aber gleichzeitig ist er auch arrogant, liebt es, im Mittelpunkt zu stehen. Er kann Vertrauliches nicht für sich behalten und er ist richtig hinterhältig und egoistisch. Rücksichtslos. Gemein. Im Nachhinein betrachtet. Min hat noch schlimmere Schimpfwörter für ihn übrig, die ich jetzt nicht alle aufzähle.

Die Aufmachung des Buches ist genial. Jeder Grund, warum es aus ist, jedes der gemeinsamen Erinnerungsstücke ist als Bild in dem Buch festgehalten. Die vielen Illustrationen von Maira Kalmann geben dem Buch eine ganz besondere Note.

„43 Gründe, warum es AUS ist“ liest man an einem Stück durch, ohne es zu merken Die Geschichte gehört zu denjenigen, die spannend sind, ohne allzu viel Action zu beinhalten. Vielmehr zieht sie den Leser langsam in den Bann und so ist es gut möglich (bei mir war es zumindest der Fall), dass man erst wieder von den Seiten hochschaut, nachdem man die letzte Seite des Roman umgeblättert hat und das wohlige Gefühl einer perfekt geschriebenen Geschichte sich im ganzen Körper breit gemacht hat.

Mich stört an dem Buch einzig die Tatsache, dass der Buchklappentext der deutschen Hardcoverausgabe schon das verrät, was in der Geschichte an sich erst ganz am Ende herauskommt, was der letzte entscheidende Grund für die Trennung ist. Diesen Spoiler hätte man meiner Meinung nach vermeiden können. Aber nun gut.

Zu dem Roman „43 Gründe, warum es AUS ist“ gibt es mindestens dreiundvierzig Gründe, die Geschichte zu lesen. Sie ist spannend und unterhaltsam. Sie ist schön und traurig zugleich. Die Charaktere sind toll, der Schreibstil ebenfalls. Daniel Handlers Art mit der Sprache zu experimentieren ist genial. „43 Gründe, warum es AUS ist“ – eine absolute Leseempfehlung!

Hier könnt ihr euch den Roman aus dem Hanser-Verlag bestellen.

*Rezension* Dark Skye

(3/5)

Skye wurde getötet – und dennoch lebt sie. Asher hat sie mehr oder weniger gerettet und versucht Skye nun zu überreden, sich auf seine Seite, auf die Seite der Rebellion zu schlagen. Doch Skye ist verwirrt und braucht vor allem Zeit. Erst vor Kurzem hat sie ihre Hintergrundgeschichte erfahren und weiß nun, dass sie kein gewöhnlicher Mensch ist, sondern Engelsblut in den Adern hat. Sie kann sich nun zwischen dem Orden und den Rebellen, zwei verfeindete Gruppen der Engel, entscheiden. Doch was ist richtig? Was soll sie machen? Noch während sie überlegt, macht sie eines Tages im Schrank ihrer Tante Jo eine unglaubliche Entdeckung…

„Silver Skye“ fand ich leider nur mittelmäßig und auch der Nachfolgeband hat mich nicht vollends überzeugen können.

Skye überlebt einen Mordversuch und muss lernen, ihre neun Kräfte zu kontrollieren. Ihr offenbart sich eine völlig neue, magische Welt, von deren Existenz sie bis vor wenigen Wochen noch nichts gehört hatte. Es passieren so viele unglaubliche Dinge in Skyes Leben, aber das junge Mädchen konzentriert sich natürlich auf die Liebe. Wie sollte es anders sein. Skye hat sich für Asher entschieden, dem Rebellen. Aber dennoch kann sie ihre Finger nicht von dem Wächter Devin lassen. Dieses ständige Hin und Her und Her und Hin wird mit der Zeit ziemlich nervig. Zwei „perfekt“ aussehende überirdische Wesen buhlen um ihre Aufmerksamkeit – hinzu kommt noch ein Irdischer, Ian, der auch in Skye verliebt ist. Also wirklich. Gleich drei? Ian sieht irgendwann ein, dass er für Skye immer nur ein guter Freund bleiben wird. Nach einiger Zeit hat er eine neue Freundin. Kurzerhand ist Skye eingeschnappt. Ihr Verhalten wirkt infantil und zickig. Ihre Freunde sind geduldig und nett zu ihr, doch Skye scheint auf dem Ego-Trip aus zu sein.

Die Beziehung zwischen Skye und Asher verläuft für meinen Geschmack zu schnell. Sie kennen sich kaum, Asher ist erst seit Beginn des neuen Schuljahres an ihrer Schule und dennoch kann sie sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Hach, wie unglaublich rührend.

Jocelyn Davies ist darauf aus, möglichst viel Gefühl und Handlung in die Seiten zu packen. Jedoch vernachlässigt sie dabei oft die Dinge, die zwischen den für den Handlungsstrang wichtigen Momenten passieren. Man bekommt fast das Gefühl, dass die Autorin den Leser durch das Geschehen „hetzt“.

Einige Stellen in der Geschichte kann ich nicht nachvollziehen. So sucht Skye zum Beispiel nach einer Person mit einer bestimmten, ihr bekannten Handschrift. Nachdem man auf die Lösung kommt und das Geheimnis um die Handschrift aufgedeckt wird, fragt man sich als Leser, warum Skye da denn nicht früher drauf gekommen ist.

Die Handlung an sich ist ganz nett, aber ohne jegliche Überraschungseffekte. Fast könnte man sagen, dass der Leser noch schneller an die Auflösung der Geheimnisse kommt als Skye selbst.

Auch der zweite Band endet mehr oder weniger offen, sodass man sich doch fragt, was wohl als nächstes passieren wird.

„Dark Skye“ hat mich leider nicht überzeugen können und mir, um ehrlich zu sein, sogar noch weniger gefallen als der erste Band. Vielleicht fällt dieser Roman in die Kategorie „Überbrückungsband“ und der dritte Teil wird wieder besser? Ich kann es ja dann nochmal mit Skye und ihrer Geschichte versuchen.

Hier könnt ihr euch den Roman aus dem FISCHER Sauerländer-Verlag bestellen.