*Rezension* Leben wird aus Mut gemacht

Leben wird aus Mut gemacht: Wie eine 84-jährige Frau mich ...

  (3/5)

Als die Autorin Anika Landsteiner eines Tages bei ihren Eltern zuhause auf dem Sofa sitzt, klingelt das Telefon. Emma ruft an, eine 84-jährige Frau mit einem „unwirklichen Leben“, wie sie selbst sagt. Emma sucht jemanden, der ihre Geschichte aufschreibt und fühlt sich vom ersten Augenblick an mit der Autorin verbunden. So entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen, Emma erzählt aus ihrem Leben und inspiriert Anika Landsteiner dazu, sich Gedanken über ihr eigenes Leben zu machen und Herausforderungen für sich zu definieren, die sie meistern möchte.

Mit hohen Erwartungen und voller Vorfreude bin ich an das Buch herangegangen. Die Autorin kenne ich bereits aus ihrem Podcast „ÜberFrauen“, in dem wechselnde Interviewpartner hat und interessante Gespräche führt. Die Ankündigung, dass sie ein neues Buch schreibt und die dazugehörige Folge im Podcast, in dem sie das Vorwort vorliest, haben mich gleich neugierig auf mehr gemacht. Nach dem Lesen des Buches blicke ich mit einem gemischten Gefühl auf „Leben wird aus Mut gemacht“ zurück. Fangen wir erst einmal mit den positiven Aspekten an.

Die Lektüre gliedert sich in sieben Abenteuer auf, die die Autorin für sich definiert hat und denen sie sich stellen möchte. Sie berichtet einfühlsam aus ihrem eigenen Leben und das von Emma und macht sich somit verwundbar. Der Leser spürt sofort eine Nähe zu ihr, es ist ein bisschen, als würde man das Tagebuch einer guten Freundin lesen. Besonders gut gefallen haben mir die Kapitel über den indischen Ashram und die Brieffreundschaft mit einem verurteilten Menschen. Die Stimmung und Atmosphäre im Ashram habe ich beim Lesen fast selbst gefühlt und die außergewöhnliche Brieffreundschaft ist so speziell und so anders, dass es einfach spannend ist und nachdenklich stimmt, davon zu lesen.

Und doch gibt es auch einige Punkte in dem Buch, die mir beim Lesen nicht so gut gefallen haben. Da ist zum einen meine große Verwunderung über die Sache mit Emma. Emma scheint eine sehr außergewöhnliche, interessante Frau zu sein, die viel durchgemacht hat im Leben. Das fängt allein schon damit an, dass sie im Gefängnis geboren wurde, keine richtige Familie hatte und mit achtzehn Jahren eine Schokoladenfabrik verwalten konnte. Sie war stets überaus ehrgeizig, was ihr ein Vorteil und ein Verhängnis zugleich war und hatte schon so viel erlebt im Leben. Emma selbst sagt, dass ihr Leben unwirklich erscheint und sie jemanden sucht, der ihre Geschichte aufschreibt. Wo aber ist ihre Geschichte? Das Buch jedenfalls streift ihre Lebensgeschichte nur in Ansätzen an und das ist ein großer Kritikpunkt. Emmas Leben kommt zu kurz. Immer, wenn Anika Landsteiner ein bisschen von Emma erzählt hat, schwenkt sie gleich um auf ihr eigenes Leben und die Abenteuer, die sie für sich vorgenommen hat. Der Übergang zwischen den beiden verschiedenen Leben gelingt leider nicht immer und so hatte ich beim Lesen teilweise das Gefühl, dass Emmas Geschichte etwas in der Luft hin und die Autorin einfach weiter mit ihrer eigenen Story machte. Schade, da hätte man viel mehr herausholen können.

Zudem sind für mich einige Dinge nicht schlüssig. So erzählt sie zum Beispiel von einer Reise, die sie nur für sich machen möchte, ohne Fotos zu schießen, ohne Dokumentation, ohne den Stress, später darüber zu berichten. Aber genau dies tut sie letztlich in dem entsprechenden Kapitel – sie berichtet von ebenjener Reise, die sie getan hat, ohne darüber erzählen zu wollen. In einem anderen Kapitel schreibt sie über Trauerkulturen verschiedener Länder. Weil sie explizit sagt, dass sie nicht „dem Tod einmal um die ganze Welt hinterherfliegen möchte“, recherchiert sie im Internet zu verschiedenen Trauerkulturen, die es auf der Welt gibt. Und reist dann doch um die halbe Welt nach Indien, um dort die Trauerkultur vor Ort mitzuerleben.

„Leben wird aus Mut gemacht“ ist ein Buch, an das ich hohe Erwartungen hatte. Vielleicht zu hohe. Letztlich haben mir bei der Lektüre etwas Tiefgang und Inhalt in Bezug auf Emmas Leben gefehlt. Da hätte man viel mehr draus machen können. Nichtsdestotrotz liest sich das Buch gut und schnell – was am Ende herauskommt, ist eine nette Geschichte über Herausforderungen.

 

Hier könnt ihr euch das Buch aus dem Goldmann-Verlag bestellen.

*Rezension* Die 1% – Methode

Die 1%-Methode - Minimale Veränderung, maximale Wirkung - James Clear

 

 (5/5)

 

James Clear beschreibt in seinem Buch „Die 1%-Methode“ die psychologischen Schleifen, die hinter einer Gewohnheitsbildung stecken. Er erklärt, warum sich schlechte Gewohnheiten so schnell etablieren und wie man sich in verschiedenen Lebensbereichen (sei es Ernährung, Sport, Bildung) Schritt für Schritt steigern kann, um letztlich große Erfolge zu erzielen. Die vier Gesetze, die James Clear als Basis einer guten Gewohnheitsbildung ansieht, sind wie folgt: Die Gewohnheit muss 1. offensichtlich, 2. attraktiv, 3. einfach und 4. befriedigend sein. Zu diesen vier Aspekten liefert Clear verschiedene Beispiele von Personen, die sich ein Repertoire an kleinen, positiven Gewohnheiten aufgebaut haben und mittlerweile auf ihrem jeweiligen Gebiet führend sind.

Das Sachbuch ist untergliedert in sechs große Kapitel. Im ersten Kapitel werden die Grundlagen der Gewohnheitspsychologie erklärt, die nächsten Kapitel befassen sich mit jeweils einem der vier Gesetze der Gewohnheit. Im letzten Kapitel liefert Clear Expertenwissen und fasst einige der wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Als ich anfing, das Buch zu lesen, hatte ich keine allzu großen Erwartungen. Die Gewohnheit muss offensichtlich, attraktiv, einfach und befriedigend sein? Schön und gut, aber so etwas weiß man doch auch schon vorher. Nun, dieses Buch liefert weitaus mehr. Die Geschichte von erfolgreichen Menschen sind super inspirierend zu lesen, die Theorie hinter der Gewohnheitsbildung ist spannend. Clear schafft es, den Leser mit einem kurzweiligen und lockeren Schreibstil so zu unterhalten, dass ich zeitweise gar nicht das Gefühl hatte, ein Sachbuch zu lesen, sondern eher immer einfach wissen wollte, wie es weitergeht. Die Kernthesen der Lektüre sind simpel und doch so genial, sie liefern viel Motivation und Inspiration – gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten -, um stärker an sich zu arbeiten und die Ziele zu erreichen, die man sich vorgenommen hat.

Ein Beispiel aus dem Buch ist die Theorie der Identitätsbildung, die mich beeindruckt hat. Clear schreibt, dass man langfristig nicht auf Ziele, sondern auf die eigene Identität hinarbeiten sollte. Wer sich Ziele setzt, der erreicht diese oder auch nicht und verfällt früher oder später wieder in alte Gewohnheitsmuster zurück. Wer an seiner Identität arbeitet und jeden Tag ein bisschen besser werden möchte, behält sich die Gewohnheiten bei, die zu dieser Identität führen. Konkret heißt das, statt zu sagen „Ich möchte an einem Marathon teilnehmen“ lieber sagen „Ich möchte fit und ein guter Sportler sein“. Statt auf einer Party zu sagen „Ich möchte mit dem Rauchen aufhören“ lieber die Zigarette ausschlagen mit den Worten „Nein danke, ich rauche nicht“. Einfach, oder?

Die ersten Seiten der Lektüre haben mich an das Buch „Die Macht der Gewohnheit“ von Charles Duhigg erinnert. Auch Duhigg beschreibt in seinem Werk die Kette an psychologischen Begebenheiten, die hinter der Gewohnheitsschleife stehen und erläutert diese. In gewisser Weise kann man „Die 1%-Methode“ als Fortsetzung und Weiterführung von Duhiggs Lektüre ansehen. Clear selbst weist explizit darauf hin, dass Menschen wie Duhigg ihn inspiriert haben und er deren Thesen weiterentwickelt hat.

„Die 1% Methode“ ist ein Sachbuch voller interessanter Erkenntnisse aus dem Gebiet der persönlichen Weiterentwicklung. Wer ein wenig Zeit und Geld darin investieren möchte, sich Methoden anzueignen, mit denen man bessere Gewohnheiten leichter aufbauen kann, macht mit dieser Lektüre alles richtig.

 

Hier könnt ihr euch das Buch aus dem Goldmann-Verlag bestellen. Weiterlesen

Ein weiteres schönes Gedicht über Bücher und das Teilen

Ein Buch

Ich kaufe ein Buch.
Es ist in meiner Mappe hier.
Ich lese das Buch.
Nun ist es in mir.
Du liest das Buch.
Jetzt ist es in dir.
Aus ich und du
macht ein Buch oft wir.

Alfons Schweiggert

Das ist eindeutig eines meiner Lieblingsgedichte zum Thema Bücher. Es ist doch ein wunderschönes Gefühl, ein gelesenes Buch weiterzuschenken und andere auch daran teilhaben zu lassen. Manchmal schreibe ich mir Notizen an die Ränder meiner Bücher und gebe sie dann weiter, so hat das Geschenk gleich nochmal eine persönlichere Komponente. Wie ist es bei euch? Schenkt ihr gelesene Bücher gerne euren Freundinnen/ Freunden?

*Rezension* Das Kind in mir will achtsam morden

Das Kind in mir will achtsam morden: Roman: Amazon.de: Dusse ...

 

 (4/5)

Nachdem Björn mithilfe seines Achtsamkeitskurses sein Leben mit mehr oder weniger legalen Mitteln wieder auf die richtige Spur gebracht hat, möchte er einfach seinen Frieden genießen und seine Ruhe haben. Letzteres wird jedoch gestört, als er bei einem Familienausflug mit seiner Tochter Emily und seiner Frau Katharina auf der Berghütte nicht den gewünschten Kaiserschmarrn erhält, den er bestellt hatte. Er rastet ein wenig mehr aus als gedacht. Die Folge? Ein toter Kellner, eine wütende Ehefrau und ein Björn, der sich erneut bei seinem Achtsamkeits-Coach Joschka Breitner einfindet und mit ihm analysiert, warum Björn seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat. Der Schuldige ist schnell gefunden: Es liegt an Björns innerem Kind. Während er sich mit dem tiefenpsychologischen Ansatz zur Erklärung menschlicher Bedürfnisse auseinandersetzt, muss er sich zudem noch mit anderen Problemen umherschlagen. Was soll er nur mit Boris, dem Boss des Mafiaclans anstellen, den er seit sechs Monaten im Keller gefangen hält? Und was soll er machen, als dieser eines Nachts einfach verschwindet? Jetzt ist Achtsamkeit gefragt.

Nach dem Bestseller „Achtsam morden“ erzählt Karsten Dusse im Nachfolgeband, den er in Rekordzeit geschrieben hat, wie es mit Björn und der Achtsamkeit weitergeht. Während Björn in dem Vorgängerroman verschiedene Entspannungstechniken zu unterschiedlichen Bereichen bekommen hat, geht es hier nun wie der Titel schon erahnen lässt, vor allem um den Ansatz des inneren Kindes, das in jedem Erwachsenen drinsteckt und diese steuert, auch wenn sie es nicht explizit mitbekommen. Das psychologische Prinzip des inneren Kindes ist in letzter Zeit vor allem durch den Bestseller „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von der Autorin Stefanie Stahl berühmt geworden.

Ich habe ich gefreut zu erfahren, wie es mit dem Hauptcharakter Björn weitergeht. Die Geschichte erhebt keinen Anspruch darauf, realistisch zu sein, das merkt man dem Autor quasi ab dem ersten Satz des Buches an. Es geht vielmehr darum, das Leben und Leiden des Björn Diemel mit einem großen, zwinkernden Auge zu betrachten. Ein Mörder, der sich in Selbstreflexion, Achtsamkeit und Meditation übt – ist das nicht an sich schon ein Widerspruch? Es ist spannend, Björns Geschichte weiterzuverfolgen. Beim Lesen wollte ich ständig wissen, wie es weitergeht, sodass die knapp 500 Seiten der Geschichte ziemlich schnell verflogen sind. In dem zweiten Band werden einige neue Charaktere vorgestellt, unter anderem Laura, eine alleinerziehende Kindergartenmutter und ihr Bruder Kurt. Die Figuren werden etwas stereotypisch dargestellt und es wird schnell klar, wen man zu mögen hat und wen nicht. Ein kleiner Minuspunkt an dieser Geschichte ist meiner Meinung nach das etwas lahme Ende. Während der Leser (zumindest ich) vom Schluss des ersten Bandes ziemlich beeindruckt war, wirkt es hier eher wie ein easy-way-out des Autors, um die Geschichte doch noch flüssig abzurunden. Nichtsdestotrotz hat es Spaß gemacht, das Buch zu lesen.

„Das Kind in mir will achtsam morden“ ist eine nette, schön geschriebene Lektüre für zwischendurch. Zwar ein bisschen schwächer als der Vorgänger, aber dennoch kurzweilig und gut zum Entspannen.

 

Hier könnt ihr euch den Roman aus dem Heyne-Verlag bestellen.

*Rezension* Die Kunst des logischen Denkens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  (2/5)

Wer würde nicht ab und zu gerne ein bisschen schneller und logischer denken? Dinge mit einem Blick auffassen, die andere übersehen, Ereignisse deuten und aus Sachbeständen Tatsachen herleiten, die verblüffend und einfach zugleich wirken? Kurz: Wer wäre nicht gerne ein bisschen mehr wie Sherlock Holmes?

In dem Buch „Die Kunst des logischen Denkens: Scharfsinnig analysieren und clever kombinieren wie Sherlock Holmes“ nimmt uns die Autorin Maria Konnikova mit auf eine Reise durch Neurowissenschaften und Psychologie. Die Psychologin erklärt, wie man Probleme besser angeht und mit welchen Tricks Sherlock Holmes und sein Freund Watson an die Kriminalfälle herangehen.

Mit großen Erwartungen bin ich an das Sachbuch herangegangen, meine Erwartungen wurden jedoch enttäuscht. Zwar berichtet Konnikova über spannende Szenen aus den Romanen von Arthur Conan Doyle, schafft es jedoch nicht den Bogen zu spannen zu den Erkenntnissen der Psychologie, sodass die angerissenen Geschichten der Detektive eher in der Luft hängen. Zudem ist das Buch mit 400 Seiten zu lang für die paar Erkenntnisse, die man am Ende aus der Lektüre erhält.

Ich habe mir spannende Einblicke in den menschlichen Denkprozess gewünscht, letztlich sind die Kernaussagen des Buches jedoch nichts weltbewegendes und mir bereits überwiegend bekannt gewesen.

Fazit: Ein eher langatmiges Sachbuch über ein an sich hochspannendes Thema.

*Rezension* Die andere Seite des Himmels

Jeannette Walls: Die andere Seite des Himmels. Diana Verlag ...

 (3/5)

Bean und Liz sind Geschwister und haben außer sich selbst niemanden, auf den sie sich verlassen können. Ihre Mutter scheint in einer eigenen Welt zu leben und träumt ihr Leben vor sich hin anstatt sich um die Kinder zu kümmern. Immer wieder müssen Bean und Liz aufgrund geänderter Karrierepläne ihrer Mutter umziehen. Als eines Tages die Behörden auf das Schicksal der Kinder aufmerksam werden, flüchten diese kurzerhand zu ihrem Onkel. Der allerdings hat noch mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen.

Nach dem autobiografischen Roman „Schloss aus Glas“ und der Biografie ihrer Großmutter namens „Ein ungezähmtes Leben“ wird es in dem dritten Roman der Reihe nun endgültig fiktiv. Man darf hier nicht den Fehler machen und eine Art Fortsetzung der „Reihe“ erwarten, da „Die andere Seite des Himmels“ eine eigenständige Geschichte erzählt.

Walls schafft es nach wie vor, den Leser in den Bann zu ziehen und die Hauptcharaktere lebendig  und nahbar wirken zu lassen. Dennoch büßt der Roman im Vergleich zu seinen Vorgängern Punkte ein, was die Brisanz und Spannung angeht. Vielleicht spielt es mit rein, dass ich zuweilen das Gefühl hatte, eine Mischung der ersten beiden Romane in „Die andere Seite des Himmels“ vermischt wiederzufinden. Vielleicht spielt es auch mit rein, dass diese Geschichte wirklich Geschichte ist und keine Biografie. Sie weißt jedenfalls Längen auf, die die Freude am Lesen abtrüben. Zudem ist der Plot der Geschichte relativ vorhersehbar. Zwei unschuldige Kinder haben keine Mutter, die auf sie aufpasst, gehen zu ihrem Onkel und werden dort von einem zwielichtigen Mann zur Arbeit angeheuert. So könnte man den Inhalt in einem Satz zusammenfassen. Was dann passiert, ist zu viel gewollte Heldengeschichte und Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere, zu viel Kitsch und zu wenig nuanciert.

„Die andere Seite des Himmels“ ist eine nette Geschichte über das Schicksal zweier Geschwister in Amerika. Mit den anderen Büchern der Autorin kann das Buch aber definitiv nicht mithalten.

 

Hier könnt ihr euch das Buch aus dem Diana-Verlag bestellen.

*Rezension* Wann Sie eine Bank überfallen sollten

Wann Sie eine Bank überfallen sollten: 131 verblüffende ...

 (4/5)

Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner nehmen den Leser in dem Buch „Wann Sie eine Bank überfallen sollten“ auf eine Reise in die Welt der Wirtschaft. Ziel dieses Buches ist es, mit unterhaltsamen Geschichten und Anekdoten dem Leser die Wissenschaft der Wirtschaft näherzubringen und aufzuzeigen, dass dahinter so viel mehr steckt als ein bloßes Spiel mit trockenen Zahlen.

Das Buch gliedert sich in kurze Kapitel, die jeweils ein Thema behandeln und sich einer Fragestellung widmen. Dabei wird zwar immer ein wirtschaftlicher Aspekt angesprochen – jedoch im weiten Sinne: Themen wie Benzinpreise und Umweltschutz besprechen die Autoren ebenso wie Verkehrssicherheit und Obstanbau.

Die einzelnen Kapitel sind jeweils in sich abgeschlossen, sodass man zwischendurch gut in der Lektüre schmökern kann und einen schnellen Einstieg findet. Die einzelnen Texte sind meistens sehr interessant und liefern viel Gesprächs- und Diskussionsstoff. Durch die kurzen Kapitel kann man sich diese auch gut gegenseitig vorlesen und anschließend darüber sprechen. Zwischendurch gibt es auch mehrere Einträge, die eher oberflächlich behandelt werden und etwas langatmig wirken.

Alles in allem ist „Wann Sie eine Bank überfallen sollten“ eine schöne Lektüre für alle Menschen, die tiefer eintauchen möchten in eine wirtschaftliche Denkweise, die man im täglichen Alltag anwenden kann.

 

Hier kann man sich das Buch aus dem Penguin-Verlag bestellen.

 

 

*Rezension* Studierst du noch oder lebst du schon?

Tiphaine Rivière: Studierst du noch oder lebst du schon ...

 (3/5)

„Studierst du noch oder lebst du schon?“ ist die allererste Graphic Novel, die ich gelesen habe. Es handelt sich um die Geschichte der Jeanne Dargan, einer französischen, motivierten, jungen Frau, die promovieren möchte. Dass der Prozess allerdings nicht geradlinig und leicht verläuft, wird schnell klar. Immer wieder werden ihr von verschiedenen Seiten Hürden in den Weg gelegt. Die Promotion verschiebt sich, die Probleme werden größer und Jeannes Motivation nimmt von Problem zu Problem ab.

Graphic Novels, also längere Geschichten, die als hochwertige Comics aufgearbeitet wurden, haben sich in den letzten zehn Jahren immer stärker etabliert und sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Buchbranche. In „Studierst du noch oder lebst du schon?“ sind die Bilder recht einfach gehalten, was zwar einen visuellen Einblick in die Farben und Formen der Geschichte gibt, aber dennoch den Fokus auf den Inhalt und Text an sich setzt.

Die Geschichte von Jeanne ist vor allem für diejenigen Personen interessant, die sich in ihre Situation hineinversetzen können, weil sie sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden oder diese schon hinter sich haben. Wer also schon mal eine Bachelor- oder Masterarbeit geschrieben hat oder gar dabei ist zu promovieren, wird hier so wie ich viele Parallelen wiedererkennen. Man kann sich gut in Jeanne und ihre Probleme hineinversetzen, allerdings ist das dann auch schon so ziemlich alles, was die Graphic Novel hergibt – eine Aufzählung der Hürden, die das Promovieren mit sich bringt. Leider nimmt die gestresste Grundstimmung mehr und mehr Überhand, ohne einen wirklichen Mehrwert zu bieten.

„Studierst du noch oder lebst du schon?“ zeichnet auf traurig realistische Weise das Leben einer Promotionsstudentin auf. Eine interessante Geschichte in Form einer Graphic Novel, die beim Lesen jedoch nicht gerade Lust auf eine akademische Laufbahn macht.

 

Hier könnt ihr euch das Buch aus dem Knaus-Verlag bestellen.

*Rezension* Das kolumnistische Manifest

Bücher von Axel Hacke bei bücher.de kaufen

(5/5)

Axel Hacke ist einer der bekanntesten deutschen Kolumnisten und Autoren. Seine wöchentlich im SZ-Magazin erscheinenden Kolumne „Das Beste aus aller Welt“ befasst sich mit den großen und kleinen Alltagsfragen, mit den Dingen, die uns tagtäglich begegnen und mit den Phänomenen des Lebens, über die die meisten Menschen noch nie nachgedacht haben. In „Das kolumnistische Manifest“ sind die besten, schlausten, schönsten und nachdenklichsten Texte von Hacke in einem Buch zu lesen. Das Werk umfasst 616 Seiten und es kommt schlichtweg alles drin vor: Texte über Kühlschränke, Liftfahren in Österreich und Schlafwägen werden ebenso erwähnt wie Schweine, schimmelblaue Gorgonzola und Teeküchen.

Hacke sieht es in seiner Pflicht, aus den schweren Dingen des Lebens etwas Leichtes zu machen. Und das ist ihm gelungen. „Das kolumnistische Manifest“ ist kein Buch, das man innerhalb von zwei Monaten durchliest. Es liest sich auch nicht in einem Monat oder zwei, ich selbst habe mehr als ein halbes Jahr gebraucht (und mir auch die Zeit dafür genommen). Mittlerweile ist mein Exemplar vom kolumnistischen Manifest voller Post-Its, mit denen ich mir schöne und interessante Testpassagen der Kolumnen markiert habe. Das Buch eignet sich ideal für die kleine Kaffeepause zwischendurch, als Anregung zum Weiterdenken und zum Vorlesen und gemeinsamen Diskutieren.

Hier könnt ihr euch das Buch aus dem Goldmann-Verlag bestellen.

*Rezension* Die Geschichte der Bienen

Die Geschichte der Bienen: Roman eBook: Maja Lunde, Ursel ...

 (3/5)

 

Wir schreiben das Jahr 1852. William ist Familienvater und ein ehrgeiziger Forscher. Er möchte eine neue Methode entwickeln, um die Honigproduktion zu optimieren und den Ertrag zu steigern, droht aber an seinem Vorhaben zu scheitern. Mehr als ein Jahrhundert später versucht der Imker George im Jahre 2007 mit seinem Sohn Frieden zu schließen, der nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, sondern lieber Journalist werden möchte. Als George merkt, dass es seinen Bienen nicht gut geht, bekommt er ein existenzielles Problem. Und dann ist da noch die Geschichte von Tao. Die Chinesin lebt im Jahr 2098 in ärmlichen Verhältnissen und arbeitet als Bestäuberin auf einer Plantage. Sie übernimmt die Arbeit, die zuvor von Bienen erledigt wurde und sehnt sich nach einer besseren Zukunft für ihren Sohn. Als dieser jedoch eines Tages sich während eines Ausflugs verletzt, gerät das geordnete Leben von Tao aus den Fugen.

„Die Geschichte der Bienen“ verknüpft die persönliche Schicksale dreier Familien aus drei verschiedenen Zeiten durch ein gemeinsames Merkmal: Sie alle sind auf irgendeine Art und Weise verbunden, abhängig und beeinflusst durch Bienen. Maja Lunde skizziert in einer unaufgeregten, ja fast schon sachlichen Sprache die Bedeutung der Bienen für die Menschheit. In einer dystopischen Zukunftsvorstellung lässt sie den Leser erahnen, welche Folgen die Klimakrise und Erderwärmung auf das Leben der Menschen und Tiere, auf das Wachstum der Pflanzen und generell auf das Bestehen der Natur haben könnte. Sie zeigt die Wichtigkeit der Arterhaltung auf und gibt uns einen Einblick in das Leben der auf den ersten Blick unscheinbar wirkenden Tiere.

Maja Lunde versteht es, eine Geschichte mit Spannungsbogen zu kreieren. Durch die sich abwechselnden Kapiteln aus der Sicht von Tao, George und William bekommt der Leser die ganze Geschichte der Personen nur in Häppchen serviert. Diese Erzählstruktur führt jedoch meines Erachtens nach zu dem Nachteil, dass man mit den einzelnen Charakteren nicht wirklich warm wird. Sie wirken alle drei eher düster und bedrückt, beim Lesen baut sich kaum eine Bindung zwischen Leser und Romanfigur auf. Die Geschichte von William und George sind zudem relativ schnell zu Ende erzählt. Taos Geschichte ist die spannendste von allen, jedoch entstand hierbei auf mich der Eindruck, dass die Handlung künstlich in die Länge gezogen wurde.

Das Buch ist aus meiner Sicht trotz der Kritikpunkte lesenswert. Es behandelt ein relevantes Thema mit aktuellem Bezug und punktet durch eine klare Sprache und vielen detaillierten Beschreibungen aus der Imkerwelt. Letztlich sollte man sich vor dem Lesen des Romans jedoch bewusst sein, dass die Geschichte relativ wenig Handlung enthält, sondern mehr auf die Herausstellung der Wichtigkeit der Bienen für Mensch und Natur abzielt. „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde ist der erste Teil einer Reihe, die sich mit verschiedenen Aspekten des Klimawandels befasst.

 

Hier könnt ihr euch das Buch aus dem btb-Verlag bestellen.