*Rezension* Die Millionärsformel

  (3/5)

Carsten Maschmeyer beschreibt in „Die Millionärsformel“ seinen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Seine Kernessenz: Mit ein paar einfachen Tricks kann es jeder schaffen, reich zu werden. Das Buch teilt sich in 15 einzelne Kapitel auf, in denen er erklärt, in welchen Bereichen des alltäglichen Lebens versteckte Kostenfresser liegen, wie der Aktienmarkt funktioniert, Wie man die höchsten Renditen erhält und sich eine eigene Immobilie leisten kann. Zudem werden in dem Buch beschrieben, welche Geldanlagen und Versicherungen sich lohnen und wie es Maschmeyer geschafft hat, nicht nur reich zu werden, sondern es auch zu bleiben.

„Die Millionärsformel“ ist eine interessante Lektüre für Einsteiger, die sich mit der Finanzwelt beschäftigen wollen. Wer sich bisher noch nie mit dem Finanz- und Aktienmarkt auseinandergesetzt hat, wird in dem Buch viel lernen. Vielleicht zu viel? Hier und da schweift Maschmeyer aus und verliert sich in Beschreibungen irgendwelcher Finanzbegriffe. An einigen Stellen wird er etwas zu ausführlich. Man muss schon ein bisschen Ausdauer haben, um das ganze Buch zu lesen, denn manche Kapitel sind etwas repetitiv, sodass sich das gesamte Buch in die Länge zieht. Meiner Meinung nach hätte man die gleiche Essenz auch in der Hälfte der Seiten unterbringen können.

Das ganze Buch baut auf der Enthüllung der Millionärsformel auf, ein Begriff, der sehr groß wirkt und natürlich Erwartungen aufstellt. Letztlich geht es aber beim Reichwerden und Millionär bleiben darum, dass man ein möglichst hohes Einkommen erzielt, welches man möglichst klug anlegt mit einer hohen Rendite. Hinzu kommen emotionale Faktoren wie Ausdauer und Optimismus und zack – Millionär. Wenn es doch so einfach wäre.

„Die Millionärsformel“ ist ein interessantes Buch für alle, die sich genauer mit der Finanzwelt beschäftigen möchten. Sie liefert zahlreiche Tipps und Hinweise für den Start der eigenen Geldanlage. Zugleich sollte man sich aber nicht zu viel vom Titel versprechen.

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Sachbuch aus dem HEYNE-Verlag.

*Rezension* Achtsam morden im Hier und Jetzt

  (3/5)

Björn Diemel führt ein achtsames Leben, verbringt regelmäßig Zeit mit seiner Tochter Emily, die schon fast ein Schulkind ist und geht zu seinen Therapiesitzungen mit Joschka Breitner, um über alltägliche und nicht ganz so alltägliche Sorgen zu reden. Als er eines Tages die Praxis von Herrn Breitner betritt und diesen übel zugerichtet vorfindet, beschließt er, sich auf Spurensuche zu begehen. Erst eine Woche zuvor hatte er in den Therapieräumen in einem ausgeschlagenen Magazin einen Artikel über die Auslebung der Sexualität gefunden. Zufall? Oder wollte Herr Breitner ihm etwas sagen? Die Spur führt Björn zu einem Tantra-Seminar, an dem er aus Interesse teilnimmt sowie zu einer indischen Sekte aus dem letzten Jahrhundert. Björn macht es sich zum Ziel, den Überfall auf Breitner aufzuklären. Der Täter schien ein ganz besonderes Buch gesucht zu haben, dem Tagebuch von Joschka Breitner. Björn findet es und beschließt darin zu lesen. Er erfährt mehr über die Vergangenheit seines Therapeuten, als ihm eigentlich lieb war…

„Achtsam morden im Hier und Jetzt“ ist der vierte Band der Krimireihe aus der Feder von Karsten Dusse. Normalerweise lese ich keine Kriminalromane, für die „Achtsam morden“-Reihe habe ich aber aufgrund der guten Bewertungen eine Ausnahme gemacht. Die Bücher waren mein Einstieg in die Krimi-Literatur. Die ersten Bände waren auch echt gut, „Achtsam morden im Hier und Jetzt“ kann meiner Meinung nach an den Erfolg der ersten Bücher nur bedingt anknüpfen. Der Schreibstil zeichnet sich durch viel Humor aus, der Witz scheint in den Büchern an vorderer Stelle zu stehen. Es geht darum, die Leserschaft mit einer lockeren Lektüre zu unterhalten. Es scheint nicht so sehr um die Schlüssigkeit der Handlung zu gehen. Der Kriminalfall an sich ist überhaupt nicht schlüssig, sondern im Gegenteil ziemlich abstrus, aber wie gesagt, die ganze Art der Geschichte zeigt, dass es in „Achtsam morden“ nicht so sehr auf das Realistische ankommt.

An einigen Stellen wurde es in der Geschichte für meinen Geschmack ziemlich grausam, was auch detailliert beschrieben wurde.

Es geht in der ersten Hälfte der Geschichte überraschend viel (zu viel) um Tantra und Sex, was laut Klappentext überhaupt nicht ersichtlich war. Die Verstrickungen mit der eigentlichen Frage nach der Aufklärung des Überfalls werden erst im Nachhinein klar. Dennoch wurde Sex und Tantra zu viel Raum in der Geschichte gegeben. Hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen.

Wie auch in den ersten Bänden merkt man auch im vierten Teil der Reihe, wo der Autor seine subjektive Meinung bezüglich bestimmter Dinge einfließen lässt. Kann man mögen, muss man aber nicht.

„Achtsam morden im Hier und Jetzt“ ist eine nette Fortsetzung mit mehreren Schwächen. Es ist eine leichte, lockere Lektüre, die an einigen Stellen zum Schmunzeln und an anderen Stellen zum Kopfschütteln anregt. Ich vergebe 3,5 von 5 Punkten.

Hier gibt es weitere Informationen zum Buch aus dem Heyne-Verlag.

*Rezension* Eine Million Minuten

 (5/5)

Wolf Küper ist Familienvater und Erfolgsmensch. Als Tropenforscher ist er gerade dabei, sich eine glänzende Karriere aufzubauen, fliegt regelmäßig für wichtige Kongresse mit wichtigen Menschen um die halbe Welt und hält einen Vortrag nach dem anderen. Als seine vierjährige Tochter Nina ihm eines Abends beim Ins-Bett-Gehen offenbart, dass sie sich eine Million Minuten mit ihm für „die ganz schönen Sachen“ wünscht, beginnt Küper, über sein Lebensmodell nachzudenken.

Ist es nicht absurd, dass wir Zeit in Arbeit investieren, um uns damit Geld zu ertauschen, welches wir irgendwann wiederum in Zeit einlösen können? Kurzerhand packen er, seine Frau Vera, Tochter Nina und Sohn Simon die Sachen und brechen auf – eine Million Minuten, etwa zwei Jahre lang. Erst Richtung Thailand, später nach Australien und Neuseeland. Zwei Jahre Auszeit für die Familie. Zwei Jahre Abenteuer, in denen die Küpers viel über die Welt und sich selbst lernen.

„Eine Million Minuten“ hat mich beeindruckt. Küper erzählt in einem super humorvollen Schreibstil kurzweilig von zwei Jahren Abenteuerurlaub mit seiner Familie. Die Begegnungen und Erfahrungen werden durch seine Erzählweise so nahbar, dass man fast meinen könnte, man sei live mit der Familie dabei, wie sie Treibgut am Strand in Thailand sammeln oder den atemberaubenden Sternehimmel in Neuseeland bestaunen. Küper ist wirklich ein toller Autor und das erstaunt umso mehr, als dass er ja eigentlich Tropenforscher ist und eigentlich beruflich etwas anderes macht. An einigen Stellen bin ich mir fast sicher, dass die Ereignisse während der Reise zugunsten der künstlerischen Freiheit etwas verdreht wurden, aber darüber kann man leicht hinwegsehen, da das Gesamtkonzept der Geschichte einfach stimmig ist.

Die Geschichte von Küper und seiner Familie ist aber nicht nur lustig, sondern regt zum Nachdenken an. Wie viel Zeit möchten wir mit der Familie verbringen? Wie viel Zeit mit der Arbeit? Was möchten wir alles noch erleben, entdecken, welche Länder bereisen, bevor es irgendwann vielleicht zu spät ist? Warum können wir das „irgendwann mal“ nicht einfach aus dem Wortschatz streichen, und stattdessen einfach tun?

Schade, dass es in dem Buch keine Fotos von der Reise gibt. Ich bin mir sicher, dass es wunderschön ausgesehen haben muss an den türkisen Seen in Neuseeland und in der Innenstadt von Bangkok. Andererseits muss sich der Leser so selbst ein bisschen anstrengen, um mit etwas Fantasie sich die malerischen Landschaften vorzustellen, die in dem Buch beschrieben werden. Auch schön.

Ehrlich gesagt erstaunt es mich, dass das Buch nicht viel bekannter ist. Endlich mal jemand, der nicht nur sein Leben in schriftlicher Form festhalten möchte, sondern auch wirklich gut schreiben kann. Ein Buch mit viel Humor, Tiefgang und Botschaft. Absolut empfehlenswert!

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Buch aus dem Penguin-Verlag.

*Rezension* Noah – Von einem, der überlebte

 (5/5)

Noah Klieger war 16 Jahre alt, als er in einer Bar in eine Passkontrolle der SS geriet. Zunächst glaubten die SS-Männer ihm seine falsche Identität, besannen sich jedoch dann doch anders und überprüften ihn genauer. Er wurde nicht als Jude enttarnt, sondern stellte sich selbst mutig den Nationalsozialisten entgegen und wurde nach Auschwitz deportiert. Während seiner Zeit in Auschwitz erlebte Noah Schrecken, die sich kaum in Worte beschreiben lassen. Durch viel Glück und Willensstärke überlebt er die grausamen Jahre. Damit diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät, ist dieses Buch entstanden.

„Noah – Von einem, der überlebte“ handelt vom Leben des Noah Kliegers. Aufgewachsen in Belgien, schloss sich Noah in jungen Jahren einer jüdischen Untergrundorganisation an und half dabei, jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln. Als die Lage in Belgien für Juden immer prekärer wurde, beschloss Noah, ebenfalls in die Schweiz zu fliehen. Kurz bevor er sein Vorhaben umsetzen konnte, wurde er jedoch gefasst und nach Ausschwitz deportiert.

Die Geschichte von Noah ist erschütternd und unfassbar. Dass der Autor und Journalist Takis Würger es dennoch geschafft hat, gemeinsam mit Noah das Unfassbare in Worte zu fassen und in Form dieser Biografie zu verschriftlichen, verdient allergrößte Hochachtung. Ich habe Noahs Geschichte an einem Tag durchgelesen, dabei viel geweint, vor Schauer innegehalten und nach dem Zuklappen des Buches gedacht, wow. Was für ein Leben. Würger schreibt klar und authentisch und schafft es tatsächlich, ein vollgepacktes Leben auf ca. 150 Seiten so zu skizzieren, dass man nach dem Lesen das Gefühl hat, Noah gekannt zu haben. Natürlich darf man nicht erwarten, dass auf so wenigen Seiten das ganze Leben Noahs erzählt wird. In der Biografie sind vielmehr einzelne, sorgsam ausgewählte Fragmente von Noah Kliegers Leben zu finden, an die er sich erinnert, die ihm von Bedeutung sind und die er mit der Leserschaft teilen möchte.

Den Anhang nach der eigentlichen Biografie, in der das Erzählte aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und eingeordnet wird, finde ich ebenfalls sehr gelungen. Hier wird deutlich, wie viel Zeit Noah Klieger und sein Biograf Takis Würger zusammen verbracht haben und wie schwierig es eigentlich ist, aus unendlichen Stunden Gesprächsmaterial diejenigen Szenen und Geschichten herauszusuchen, die es letztlich in die Biografie schaffen.

„Noah – Von einem, der überlebte“ sollte Pflichtlektüre in allen Schulen sein. Es ist ein wichtiges Zeugnis unserer Vergangenheit, authentisch geschrieben und absolut lesenswert.

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Buch aus dem Penguin-Verlag.

So einfach ist Pflanzenvermehrung

 (4/5)

Seit einigen Jahren boomt der Pflanzenmarkt. Zimmerpflanzen, die früher als langweilige Staubfänger galten, sind aktuell angesagter denn je. Es gibt ganze Instagram- und Tiktokkanäle, die sich nur mit plant care beschäftigen, Videos, in den die richtige Wassermenge und Standorte für einzelne Pflanzen ausführlich erläutert werden und vieles mehr. Kurz: Pflanzen sind im Trend.

In dem Buch „So einfach ist Pflanzenvermehrung“ wird gezeigt, wie man aus einer Pflanze ganz einfach viele Pflanzen machen kann. Ich selbst habe vor einem Jahr meine allererste Zimmerpflanze, eine Pilea, geschenkt bekommen und mir damals gedacht, dass ich zwar eine große Pflanzensammlung haben möchte, aber dafür nicht tonnenweise Geld ausgeben möchte. Mit ein paar Tricks ist es aber ganz einfach, aus wenigen Pflanzen durch Vermehrung viele zu zaubern.

Das Buch teilt sich in drei Kapitel. Nach einer kurzen Einleitung mit allgemeinen Informationen geht es auch schon zu den einzelnen Pflanzen. Insgesamt wird die Vermehrung von 60 Pflanzen vorgestellt, wobei sich diese in zwei Kategorien aufteilen: Nutz- und Zimmerpflanzen. Im ersten großen Part stellen die Autorinnen die Vermehrung diverser Kräuter und Obst/Gemüsepflanzen vor. Es wird gezeigt, wie man aus Kernen der Zitrone sich ein eigenes Pflänzchen ziehen kann und Salatherzen weiterwachsen lässt. Auch Karotten, Äpfel, Minze, Basilikum und Co werden in dem Buch erwähnt. Das Kapitel fand ich zwar interessant zum Durchblättern, nimmt aber meiner Meinung nach zu viel Platz in dem Buch ein. Dem Coverbild nach könnte man meinen, in dem Buch gehe es vor allem um die beliebten Zimmerpflanzen, die zurzeit so angesagt sind. Da wundert es einen, beim Schmökern zuerst auf die Vermehrung von Rosmarin, Thymian, Lauch und Co zu stoßen, bevor es zu den Grünpflanzen geht.

Der Teil mit den Grün- und Blühpflanzen hat mir sehr gut gefallen. Die Autorinnen erklären alles Wesentliche, um Ableger aus den Pflanzen zu ziehen, stellen bei fast jeder Pflanze verschiedene Methoden vor und geben zudem interessante allgemeine Informationen zur Pflege der einzelnen Pflanzen. Zugegebenermaßen wird die Lektüre irgendwann leicht redundant. Letztlich werden fast alle Stecklinge von Pflanzen gleich vermehrt: entweder man steckt sie zuerst ins Wasser oder direkt in die Erde. Wer also bereits viele Pflanzen selbst gezüchtet und aus Ablegern gewonnen hat, wird in dem Buch wenig Neues finden. Dennoch ist das Buch schön zum Schmökern, die großen Fotos von jeder Pflanze sind wunderschön anzuschauen und meine Liste mit Pflanzen, die ich gerne hätte, ist nach der Lektüre auf jeden Fall größer geworden.

Alles in allem ist „So einfach ist Pflanzenvermehrung“ eine schöne Geschenkidee für alle Leute, die sich auf dem Gebiet der Pflanzenvermehrung mal ausprobieren wollen.

Hier gibt es weitere Infos zum Buch aus dem Bassermann-Verlag.

*Rezension* Das Geschenk – 12 Lektionen für ein besseres Leben

 (4/5)

Dr. Edith Eger ist eine renommierte Psychologin und Therapeutin. Sie hat den Holocaust überlebt und mit der Zeit gelernt, die dortigen Schrecken zu verarbeiten. In „Das Geschenk erzählt sie in 12 Kapiteln von Menschen, ihren Verwandten, Freunden und Patienten, die mit unterschiedlichen Problemen und Herausforderungen des Lebens konfrontiert sind. Anhand ihrer Beispiele zeigt Dr. Eger auf, wie wir Probleme lösen und sie uns sogar zunutze machen können, um letztlich wie der Untertitel des Buches schon sagt, besser zu leben.

„Das Geschenk“ ist ein sehr interessantes Sachbuch über die Funktionsweisen der menschlichen Psyche. Es dauert ein bisschen, bis man den Stil des Buches versteht. Die ersten Seiten, nämlich Einleitung und das erste Kapitel, handeln von den Gefängnissen in unserem Kopf und davon, sich aus der Opferrolle zu befreien. In meinen Augen eher sperrig aufbereitete Kapitel, die entsprechend etwas anstrengend zu lesen sind. Danach wird das Buch aber deutlich interessanter und erzählt von dem Umgang mit Gefühlen wie Trauer, Wut und Scham. Jedes Kapitel beginnt mit einer Erzählung über einen Menschen, den Dr. Eger kennt, was zur Veranschaulichung der Kernessenzen beiträgt.

„Das Geschenk“ ist ein Buch, das ich eher langsam gelesen habe, weil ich über viele Sätze der Autorin nachgedacht habe. Sie schreibt klug, ohne belehrend zu wirken. Dr. Eger zeigt an, welche Grauen sie während des zweiten Weltkrieges erfahren hat und unterstreicht zugleich, wie sie es geschafft hat, stark aus ihren Erfahrungen im Holocaust hervorzugehen.

„Das Geschenk“ macht vor allem eines: Hoffnung. Das Buch lehrt uns, die Hoffnung nicht zu verlieren, wenn wir mal schlechte Gedanken haben, wenn wir verzweifelt, wütend, schambehaftet oder einfach traurig sind. In jedem Kapitel findet man sich als LeserIn ein Stück weit wieder. Aus jedem Kapitel kann man etwas lernen.

Insgesamt ist „Das Geschenk“ ein lesenswertes Sachbuch über den Umgang mit den eigenen Gefühlen.

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Buch aus dem btb-Verlag.

*Rezension* In fünf Jahren

 (4/5)

Dannies Leben läuft. Sie hat soeben ein Bewerbungsgespräch für ihren Traumjob als Anwältin gemeistert, am gleichen Abend macht ihr Freund David ihr einen Heiratsantrag. Ihre beste Freundin Bella hält immer zu ihr, diese hat die Ringe für den Antrag ausgesucht. Sie sind wunderschön. Alles ist so, wie Dannie es sich erhofft hat. Alles ist perfekt. Am Abend legt sie sich schlafen und wacht in einer fremden Wohnung auf. Im Fernsehen sieht sie, dass die Nachrichten auf ein Datum im Dezember fünf Jahre später datiert sind. Ein fremder Mann steht in der Küche, er scheint sie gut zu kennen. Aaron heißt er, er macht ihr Frühstück und Komplimente. An ihrem Finger trägt sie einen fremden Ring. Was zum Teufel geht hier vor? Kurze Zeit später erwacht sie aus ihrem Traum. Aaron kann sie aber nicht vergessen. Umso schockierender ist es für Dannie, als sie viereinhalb Jahre später – Dannie ist immer noch mit David zusammen – unverhofft Aaron wiedertrifft.

„In fünf Jahren“ aus der Feder von Rebecca Serle ist eine schöne Liebesgeschichte mit unerwarteten Wendungen. Die ganze Handlung der Geschichte baut auf den Traum auf, in dem Dannie einen Mann kennenlernt, den sie unerwartet viereinhalb Jahre später wiedersieht. Sie hat nun genau ein halbes Jahr Zeit, um alles zu versuchen, damit der Traum sich nicht bewahrheitet. Immerhin ist sie glücklich mit David verlobt. Es ist schwierig, mehr über den Inhalt zu schreiben, ohne zu spoilern. Ich habe das Buch in wenigen Tagen durchgelesen. Der lockere, witzige Schreibstil der Autorin macht die Geschichte zu einer perfekten Urlaubslektüre. Die Handlung ist spannend, als LeserIn möchte man unbedingt wissen, was es mit dem merkwürdigen Traum auf sich hat und inwiefern er sich bewahrheiten wird. Die Hauptcharaktere des Buches Dannie, Bella, Aaron und David sind alle auf ihre eigene Art liebenswert. Beim Lesen versinkt man tief in der Story und bekommt schnell das Gefühl, die beiden besten Freundinnen sowie Aaron und David ebenfalls gut zu kennen.

Das Ende der Geschichte ist überraschend und ein wenig unbefriedigend. Es ist natürlich schwierig, nach so einem großen Teaser in Form eines Traumes von vor fünf Jahren den Erwartungen der LeserInnen zu entsprechen. Und doch finde ich das Ende des Buches leider nicht ganz so schön, was einen faden Beigeschmack der Lektüre ergibt. Dennoch wurde ich während des Lesens gut unterhalten, Rebecca Serle hat einen tollen Schreibstil und versteht es, viel Spannung in die Handlung einzubauen.

Alles in allem ist „In fünf Jahren“ eine schöne Geschichte für zwischendurch.

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Roman aus dem btb-Verlag.

*Rezension* Die Tiny Habits Methode

  (3/5)

Wie schaffe ich es, meine Ziele besser, schneller und nachhaltiger zu erreichen? Eine Frage, die vor allem im Rahmen von Neujahrsvorsätzen und Prüfungsvorbereitungen häufig gestellt wird. In „Die Tiny Habits Methode“ beschreibt der Verhaltenswissenschaftler BJ Fogg anhand seines Fogg-Verhaltensmodells, welche Schritte notwendig sind, um neue Gewohnheiten im Leben zu etablieren. Kleiner Spoiler: Der Trick dabei ist, klein anzufangen.

Ich habe schon viele Bücher zum Thema Selbstoptimierung, Gewohnheitsbildung und Persönlichkeitsentwicklung gelesen. Dieses Buch hier kann ich nur bedingt empfehlen. Es erinnert in der Kernessenz an die Aussagen aus James Clears Buch „Die 1% Methode“: Man solle bei der Bildung neuer Gewohnheiten klein anfangen. Wenn man mehr Sport betreiben möchte, so soll man zum Beispiel erst einen Liegestütz machen, anstatt sich ein halbstündiges Programm vorzunehmen. Diese neuen Gewohnheiten sollen an Ankern gekoppelt werden, damit der auslösende Moment definiert wird. Zum Beispiel: Jeden Tag nach dem Toilettengang wird ein Liegestütz gemacht.

So weit, so gut. Nach und nach kann man sich immer weiter steigern und irgendwann entwickelt sich aus einer kleinen Routine eine starke Gewohnheit. BJ Fogg erläutert in seinem Modell, worauf es bei der Gewohnheitsbildung ankommt, welche Fallstricke typisch sind und wie man sie umgehen kann und warum eine Belohnung nicht gleich eine Belohnung ist. Leider bin ich mit dem Schreibstil des Autors nicht richtig warm geworden. Zum einen habe ich durch das Buch nicht so viele neue Erkenntnisse erlangt, was vielleicht daran liegen mag, dass ich bereits viele Bücher zu dem Thema gelesen habe. Zum anderen aber, und dadurch unterscheidet sich BJ Fogg von weiteren Autoren, die zu ähnlichen Themen schreiben, stellt er sich wissenschaftlich über sie. Natürlich muss man von seiner eigenen Forschung überzeugt sein, um ein Buch zu schreiben. Aber in Foggs Buch schreibt er immer wieder von den unmöglichen Theorien anderer Wissenschaftler, den „selbsternannten Experten“ auf diesem und jenem Gebiet, nur um am Ende aufzuzeigen, warum er selbst es besser weiß (was teilweise auch nicht so bahnbrechend ist). Mich haben diese wiederholten Formulierungen gestört. Man kann die eigene Arbeit auch verteidigen, ohne so überheblich zu wirken. Zudem sind seine Tipps teilweise einfach lahm. Man möchte nicht mehr so viel Süßes essen? Ok, dann solle man sich vielleicht versprechen, kein Eis in der Gefriertruhe zu halten. Das wars. Kleine Gewohnheiten können immer und überall entstehen, so sein Versprechen an den Leser.

Wer bisher noch wenig zum Thema Gewohnheitsbildung gelesen hat, für den ist „Die Tiny Habits Methode“ ein guter Input. Wer sich tiefergehend mit dem Thema befassen möchte, sollte lieber ein anderes Buch lesen.

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Buch aus dem btb-Verlag.

*Rezension* Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden

 (5/5)

Lori Gottlieb hilft als Psychotherapeutin täglich Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen und mit unterschiedlichsten Problemen. Da wäre der Drehbuchschreiber John, für den alle Menschen nur Idioten sind, die Professorin in den Dreißiger-Jahren, die bald an Krebs sterben wird, sowie eine depressive Frau Ende 60, die keinen Sinn mehr im Leben sieht. Was die PatientInnen alle nicht wissen: Lori steckt selbst mitten in einer Krise. Ihr Freund hat sich überraschend von ihr getrennt. Während sie also tagtäglich die Psyche der anderen analysiert, versucht sie mit ihren eigenen Gedanken und ihrer Trauer klarzukommen – und beschließt schließlich, sich selbst in Psychotherapie zu begehen.

Am ehesten gehört das Buch „Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden“ dem Genre der Biografie an. Teilweise liest es sich aber auch spannend wie ein Roman und ist lustig wie eine Komödie. Ich habe während des Lesens gelacht, geweint, mit Lori und ihren PatientInnen mitgefühlt und konnte nicht mehr von dem Buch loslassen. Lori Gottlieb schreibt auf eine so wunderbar ehrliche, ungefilterte Weise aus ihrem Leben, dass man nicht anders kann, als sie ins Herz zu schließen. Während des Lesens erkennt man in den Sorgen und Problemen ihrer PatientInnen auch die eigenen Gedanken wieder, mit denen man im Alltag konfrontiert ist. Kapitel für Kapitel erfährt der Leser somit nicht nur mehr über die Protagonisten des Buches, sondern reflektiert ein Stückchen auch immer sich selbst.

Lori nimmt den Leser also mit auf die Reise einer Psychotherapeutin, die selbst zu einem Psychotherapeuten geht. Da sind Spannungen vorprogrammiert. Auf einmal erhält man einen exklusiven Blick hinter den Kulissen der Kulissen quasi – dabei scheut die Autorin nicht davor, sich selbst gnadenlos ehrlich und somit menschlich darzustellen, so dass man deutlich merkt, sie ist alles andere als perfekt, dafür aber sehr authentisch.

Für mich ist „Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden“ die Entdeckung des Jahres. Ich habe das Buch verschlungen und so viel für mich daraus mitnehmen können. Ein wundervolles Buch in einem wirklich guten Schreibstil. Unbedingt lesen!

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Buch aus dem Goldmann-Verlag.

*Rezension* Die hundert Jahre von Lenni und Margot

 (5/5)

Lenni ist 17 und weiß, dass sie voraussichtlich nie 18 werden wird. Sie hat Krebs und liegt auf einer Palliativstation in einem Krankenhaus. Margot ist 83, hat ein buntes Leben hinter sich und weiß, dass auch sie nicht mehr ewig leben wird. Eines Tages begegnen sich Lenni und Margot zufällig im Krankenhaus. Kurze Zeit später sehen sie sich wieder, denn die Klinik bietet zur Ablenkung aus dem tristen Krankenhausalltag Kunstkurse an. Die beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verbindet die Tatsache, dass ihrer beider Leben zeitlich begrenzt ist. Sie beschließen, Bilder zu malen, die jeweils eine Geschichte erzählen. Ein Bild pro Lebensjahr, hundert Bilder für die hundert Jahre von Lenni und Margot.

Ich mag Krankenhausgeschichten eigentlich gar nicht. Sie drücken meist zu sehr auf die Tränendrüse und lassen einen nach dem Lesen einfach nur traurig zurück. Bei Lenni und Margot ist es anders. Die Geschichte spielt gar nicht hauptsächlich im Krankenhaus, denn die Klinik bietet lediglich die Rahmenhandlung. Eigentlich geht es vielmehr um die Lebensgeschichten von Lenni und Margot. Lenni, wie sie als kleines Kind mit ihrer Familie aus Schweden wegzieht, wie sie die Teenagerzeit mit all ihren Höhen und Tiefen durchlebt. Margot, die als Kind im Krieg aufwächst, die eintaucht in ein wildes Leben zu einer Zeit, in der Konservatismus den Ton angibt. Die mehrere Anläufe braucht, um ihre wahre Liebe zu finden und in ihren 83 Jahren wichtige Menschen verliert und dann vielleicht doch wiederfindet.

Marianne Cronin ist mit „Die hundert Jahre von Lenni und Margot“ ein absolutes Meisterwerk von einem Debütroman gelungen. Sie schreibt so poetisch schön, dass es schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen. Die Lebensgeschichten von Lenni und Margot in den einzelnen Kapiteln sind kurzweilig, manchmal lustig, manchmal traurig, voller Emotionen und zugleich vor allem so nahbar, dass man am Ende des Lesens denkt, ja, die Lenni und die Margot, die habe ich doch auch gekannt.

Es sind die kleinen, unscheinbaren Sätze, die die Geschichte so wundervoll machen. Cronin beschreibt Kleinigkeiten aus dem täglichen Leben, eine Beobachtung hier, eine Szene da, ich konnte beim Lesen absolut in die Geschichte hineintauchen und mich in Lennis und Margots Welt begeben. Das Besondere hierbei ist, dass nicht nur der Inhalt des Romans wundervoll ist, sondern auch der Schreibstil.

„Die hundert Jahre von Lenni und Margot“ ist ein tolles Buch. Es ist hauptsächlich keine Krankenhausgeschichte, sondern die Geschichte der Leben zweier wunderbarer Frauen.

Hier gibt es weitere Informationen zum Roman aus dem C.Bertelsmann-Verlag.