*Rezension* China – Der illustrierte Guide

 (5/5)

Auf über 200 Seiten führt uns Giulia Ziggiotti durch die unterschiedlichsten Facetten Chinas. Sie erklärt kulinarische Traditionen, das chinesische Schrift- und Zahlensystem, gibt einen Überblick über Land und Leute und macht somit das so weit entfernte Reich der Mitte ganz nahbar.

Ich bin absolut beeindruckt von diesem wunderschönen Reiseguide, der sowohl Erwachsene als auch Kinder begeistert. Da die Sprache relativ einfach gehalten ist, können auch Jüngere etwas mit dem Reiseführer anfangen. Ziggiotti war sechs Jahre lang Generalsekretärin der italienischen Handelskammer in China und ist heute Managerin der italienischen Botschaftsschule in Peking sowie Direktorin des italienischen Kindergartens in Hongkong. Sie kennt sich also bestens mit den Gepflogenheiten des Landes aus und hat zudem einen frischen Blick, um die einheimische Lebensweise für Ausländer verständlich zu erklären.

Das Buch ist in acht Kapitel aufgeteilt. Ziggiotti erklärt in jedem Kapitel ein Aspekt der chinesischen Kultur, beschreibt ausführlich die Hauptstadt Peking, nimmt Bezug auf Chinas Werte, verschiedene Reiseziele, den Wortschatz, Essen und Trinken. Sie erklärt beliebte Freizeitbeschäftigungen der Chinesen ebenso wie das dortige Schönheitsideal, Feiertage und Feste.

Besonders hervorheben möchte ich die wunderschöne Bebilderung des Buches durch die Illustratorin Sabrina Ferrero. Es ist schon ein bisschen schade, dass ihr Name nicht auf dem Cover des Buches zu lesen, sondern nur auf der letzten Seite kurz erwähnt wird, immerhin lebt der Guide von den Bildern. Die Seiten sind durchgehend illustriert und die Bilder mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet.

Wer eine Reise nach China plant oder sich einfach so mehr mit der chinesischen Kultur auseinandersetzen möchte, wird mit diesem Buch auf jeden Fall glücklich.

Hier gibt es weitere Informationen zum Buch aus dem PRESTEL-Verlag.

*Rezension* Eine Handvoll Glück

Eine Handvoll Glück von Massimo Vacchetta - Buch | Thalia
 (4/5)

Als der italienische Tierarzt Massimo eines Tages einen kleinen Igel findet, ahnt er noch nicht, dass dieses winzige Geschöpf sein Leben für immer verändern wird. Ninna ist zu klein und gebrechlich, um allein in der Natur zu überleben und so macht es sich Massimo zur Aufgabe, für das kleine Igelweibchen zu sorgen und es aufzupäppeln. Bald merkt er, dass es mehr als nur eine Aufgabe für ihn ist. Er fühlt sich berufen, Igeln zu helfen und ihnen Schutz zu bieten. Massimo spielt mit dem Gedanken, eine Rettungsstation für Igel zu eröffnen, doch der Weg dorthin ist voller Hürden und Bürokratie…

Das Buch „Eine Handvoll Glück“ erzählt die wahre Geschichte des Tierarztes Massimo Vacchetta. Gemeinsam mit der Journalistin Antonella Tomaselli beschreibt der Tierfreund seine Aufregung, als er Ninna das erste Mal in Händen hält, seine unbeholfenen ersten Versuche, das kleine Tierchen zu füttern und seine unendliche Freude über jedes Gramm, das der Igel zunimmt.

Das Buch ist eine Hommage an die kleinen Lebewesen dieser Erde. Obwohl die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht, erinnert sie zuweilen auch an eine Fabel. Die Moral der Geschichte: Alle Lebewesen sind wertvoll und verdienen es, geschützt zu werden. Und wenn sie zu klein sind, um für sich selbst zu sorgen, so müssen eben andere sich um sie kümmern.

Massimo ist eigentlich auf Großtiere spezialisiert. Er kennt sich mit Kühen und Pferden aus, mit Igeln hat er jedoch am Anfang herzlich wenig am Hut. Doch die Winzlinge erobern so schnell sein Herz, dass er nicht anders kann. Er macht es sich zur Lebensaufgabe, sich um sie zu kümmern und der Leser begleitet ihn auf seiner Reise. In der Mitte des Buches gibt es zahlreiche Farbabbildungen der Igel, die Massimo bereits bei sich aufgenommen und aufgepäppelt hat. Diese Fotos bereichern das Buch und geben einen Einblick in die Welt der Igelrettungsstation.

Das Buch hat mir insgesamt von der Geschichte her recht gut gefallen, einzig mit dem Schreibstil bin ich nicht warm geworden. Ich hatte während des Lesens das Gefühl, dass die Geschichte protokollartig aufgeschrieben wurde, ein bisschen zu steif und ein bisschen zu wenig emotional – und dadurch leider nicht ganz so nahbar wirkte. Aus dem Inhalt hätte man sicher mehr machen können, aber vielleicht liegt es auch an der deutschen Übersetzung oder an dem italienischen Stil. Nichtsdestotrotz hat man das Buch gut lesen können, es ist eine nette Geschichte für zwischendurch, die auch mal zum Nachdenken anregt.

„Eine Handvoll Glück“ bietet mehr als nur diese eine Emotion. Wir sind dabei, wenn Massimo verzweifelt, weil es Ninna nicht gut geht, die Leserschaft hofft mit ihm auf Besserung und drückt die Daumen. Wir bekommen Einblicke in Massimos emotionale, weiche Seite, weil er Ninna nicht gehen lassen möchte und bangen mit ihm, weil die kleinen Igel so viel pure Schönheit, aber zugleich auch so viel Zerbrechlichkeit mitbringen.

Alles in allem ist „Eine Handvoll Glück“ eine schöne, lesenswerte Geschichte über die Liebe zu einem kleinen Igel.

Hier könnt ihr das Buch aus dem Penguin-Verlag bestellen.

*Rezension* Achtsam morden am Rande der Welt

Achtsam morden am Rande der Welt
  (3/5)

Björn Diemel, der Rechtsanwalt mit krimineller Vergangenheit, hat einen eher weniger lustigen Geburtstag hinter sich. Nun möchte er endlich zur Ruhe kommen und begibt sich auf eine Pilgerreise. Auf dem Jakobsweg ereignen sich jedoch mysteriöse Zwischenfälle, Björn hat den Verdacht, dass ein Mitpilger ihn versucht zu töten. Nach allen Regeln der Achtsamkeit versucht er, mit seiner misslichen Lage Frieden zu schließen und Ruhe zu bewahren. Gar nicht so leicht, wenn rund um ihn herum plötzlich Mitpilger wegsterben.

„Achtsam morden am Rande der Welt“ ist der dritte Band der Erzählungen rund um den Rechtsanwalt Björn Diemel aus der Feder von Karsten Dusse. Mit viel Sarkasmus und trockenem Humor nimmt er die Leser*innen mit auf Björn Diemels Weg, sich selbst zu finden. Während ich die ersten beiden Bände ziemlich schnell gelesen hatte, hat sich der dritte Band für mich eher in die Länge gezogen. Der Plot ist leider nicht so originell wie in den ersten beiden Teilen, das Ende etwas plump und vorhersehbar. Der Humor, den ich in den ersten beiden Bänden sehr geschätzt habe, ist mittlerweile eher trocken als lustig, generell scheint es leider, als sei das Buch in zu kurzer Zeit mit zu wenig Inhalt geschrieben worden. Hin und wieder versucht sich Dusse an Anspielungen auf die aktuelle Politik und Coronakrise, da ist zum Beispiel der Chinese, der verdächtigt wird, Diemels Leben auf den Kopf zu stellen, da sind Anspielungen auf Impflicht und Abstandsregeln und teilweise bekommt man während des Lesens das Gefühl, dass Dusse sich mit alldem nicht so richtig anfreunden kann. Ist es Sarkasmus und Ironie, hinter denen er seine politische Meinung versteckt? Oder ist es gerade der Witz, der die politische Meinung entwaffnet? So oder so, es stellt sich die Frage, wie viel Politik einem humoristischen Krimiroman guttut und inwiefern der Künstler sich von seiner Kunst bzw. der Autor sich von den Aussagen in seinem Buch distanziert.

Die Storyline des Buches ist etwas bemüht, die Geschichte beruht auf eine Abfolge ziemlich unwahrscheinlicher Zufälle. Der Autor hat da schon mehrfach etwas tricksen müssen, um sich den Inhalt gerade zu biegen. Leider ist die Handlungsabfolge ziemlich abwegig und abstrus, vielleicht gehört das dazu zu einem Krimiroman, der nicht auf Genauigkeit und Realitätstreue ausgelegt ist, nichtsdestotrotz stören die grotesken Zufälle beim Lesen der Geschichte.

Der dritte Band der „Achtsam morden“-Reihe ist eine nette Lektüre mit Schwächen. Leider nicht so packend, nicht so lustig und nicht so inhaltsreich wie die Vorgänger. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Hier gibt es weitere Infos zum Buch aus dem HEYNE-Verlag.

*Rezension* Meine erste Million

Meine erste Million: Unternehmer, Künstler und andere Persönlichkeiten  sprechen über das Geheimnis ihres Erfolgs - Das Beste aus Capital : von  Buttlar, Horst: Amazon.de: Bücher
 (5/5)

Was haben der Profiboxer Arthur Abraham, die Kinderbuchautorin Cornelia Funke und der Investor Frank Thelen gemeinsam? Sie alle sind Millionäre. Über 1,2 Millionen Millionäre gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Die wenigsten möchten öffentlich über Geld reden, aber einige haben es doch getan. Horst von Buttlar gibt in seinem Buch „Meine erste Million“ einen einzigartigen und spannenden Einblick in das Leben von 50 Millionären Deutschlands. Es sind bekannte Unternehmer dabei, Menschen, die eigene Firmen gegründet und ihre eigenen Ideen auf den Markt gebracht haben, aber auch Künstler, Sportler und andere Persönlichkeiten kommen in dem Buch zu Wort. 50 Kapitel hat das Buch, eines für jeden Millionär. Die einzelnen Interviews sind nur wenige Seiten lang, beginnen mit einem Porträtfoto des Menschen und enden mit einem kurzen Überblick über die wichtigsten Stationen der Persönlichkeiten. Die Interviews sind dem Finanzmagazin Capital entnommen, wo in jeder Ausgabe ein Millionär auf der letzten Seite des Heftes zu Wort kommt.

Mir hat es super viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Es ist beeindruckend, wie hart einige Menschen für den Erfolg arbeiten und wie viel Tatendrang sie haben. Hinter der Million stecken Menschen, die zunächst sich hoch verschuldet und dennoch an ihre Ideen geglaubt haben, Menschen, die schon im Kindesalter ihre ersten Geschäfte gemacht haben und Menschen, die sich nicht von den negativen Reaktionen der Umwelt haben beirren lassen.

Die einzelnen Kapitel sind jeweils sehr kurz und lassen sich schnell lesen. Beeindruckend finde ich, dass man viele bekannte Namen liest und Capital es geschafft hat, mit den großen Berühmtheiten Interviews über das Geld und den eigenen Reichtum zu führen, was absolut nicht selbstverständlich ist. Eckart von Hirschhausen, Niki Lauda, André Rieu – das sind nur drei Beispiele für die Menschen, die in „Meine erste Million“ zu Wort kommen. Das Buch ist super kurzweilig, manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass die Interviews ruhig ein bisschen länger hätten sein dürfen, aber natürlich sind die Kapazitäten im Capital-Magazin auch begrenzt.

Alles in allem ist „Meine erste Million“ eine spannende und inspirierende Lektüre!

Hier könnt ihr das Buch aus dem Ariston-Verlag bestellen.

*Rezension* Unzertrennlich

Unzertrennlich - Yalom, Irvin D.; Yalom, Marilyn; Kammerer, Regina -  Dussmann - Das Kulturkaufhaus
 (4/5)

Irvin Yalom, eines der bedeutendsten Psychiater Amerikas und Marilyn Yalom, Professorin für französische Literatur haben sich als Jugendliche ineinander verliebt, geheiratet, Kinder großgezogen und beeindruckende Karrieren gemacht. Nun ist Marilyn schwer an Krebs erkrankt, Multiples Myelom ist die Diagnose. Zwar kann man Jahre, gar Jahrzehnte mit der Krankheit leben, jedoch schlagen die Therapien bei Marilyn nicht an. Als ein Ende nahe wird, beginnen sie, gemeinsam ein Buch zu schreiben. Abwechselnd, Kapitel für Kapitel. So entsteht „Unzertrennlich“, ein Tagebuch der letzten Monate von Irvin und Marilyn als Paar. Sie schreiben von dem Kampf gegen den Krebs, von dem Rückhalt in der Familie und im Freundeskreis, von der Hoffnung auf ein bisschen mehr Zeit zusammen. Am Ende stirbt Marilyn – und Irvin schreibt das Buch allein fertig.

Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, ein Buch wie „Unzertrennlich“ auf einer einfachen Rezensions-Skala von 1 bis 5 einzuordnen. Wie soll man das Tagebuch, die Erlebnisse, all das Persönliche und Intime von zwei Personen bewerten wollen? „Unzertrennlich“ ist keine Geschichte, die darauf ausgelegt ist, besonders spannend oder aufregend zu sein. Sie ist nicht in einem besonders schönen Schreibstil geschrieben, eher sachlich und nüchtern und beschreibt chronologisch die letzten Monate eines Paares.

Ich habe das Buch relativ zügig gelesen, musste es aber zwischendurch immer wieder mal weglegen, weil die beschriebenen Tatsachen darin, die Tatsache, dass Marilyn bald stirbt und Irvin für immer verlässt, sehr bedrückend und traurig macht. Das Yalom-Paar ist nicht religiös und es glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod. Wenn Marilyn gestorben ist, so sagen es beide, dann gibt es sie schlichtweg nicht mehr. Kein Bewusstsein. Keine Marilyn. Nur noch ein Körper, der nach und nach in der Erde verwest. Oft zitieren sie andere Wissenschaftler zum Thema Sterben und Tod. Es wird deutlich, dass es sich bei den Yaloms um ein überaus intellektuelles Paar handelt.

Einige Stellen in dem Buch finde ich persönlich etwas übertrieben in den Vordergrund gerückt, so betont Irvin Yalom zum Beispiel immer wieder subtil seine exzellenten Fähigkeiten als Therapeut und verweist in „Unzertrennlich“ des Öfteren auf seine eigenen Romane und Sachbücher, die so hervorragend seien und ihn in seiner Trauer begleiten, in dem er seine eigenen Bücher erneut liest. Seine hohe Meinung zu seinen Büchern wirken aber nicht in Szene gesetzt, sondern einfach authentisch, vielleicht ist er in seiner Person nun mal so. Irvin Yalom versucht nicht, sich in dem Buch besonders gut darzustellen, sondern die Wahrheit abzubilden. Er beschreibt die tollen Momente, die jeder gerne hört und liest, aber als Leser*in erhält man auch Einblick in die Schattenseiten seiner Persönlichkeit, so berichtet er zum Beispiel frei heraus von Zwangsgedanken, die er schon so oft bei anderen Menschen therapiert hat und nun selbst schwerlich loswird und beschreibt seine Schuldgefühle, die er hat, nachdem er nach Marilyns Tod auf einmal sexuelle Gedanken hat.

„Unzertrennlich“ ist eine schwermütige, traurige Lektüre. Authentisch erzählen Irvin Yalom und Marilyn Yalom ihre Geschichte davon, was passiert, wenn die wichtigste Person im Leben stirbt.

Hier könnt ihr das Buch aus dem btb-Verlag bestellen.

*Rezension* Über Menschen

Über Menschen: Roman: Amazon.de: Zeh, Juli: Bücher
 (4/5)

Von außen betrachtet scheint Doras Leben gar nicht so schlecht zu sein. Sie hat eine langjährige Beziehung mit Robert, einen festen Job in einer Marketingagentur und eine süße Hündin. Als sie es jedoch zuhause aufgrund von Meinungsverschiedenheiten nicht mehr mit Robert aushält, zieht sie mit ihrer Hündin, die auf den Namen Jochen-der-Rochen hört, aufs Land. Hier lernt sie Gote kennen, der sich selbst als „Dorf-Nazi“ bezeichnet. Eigentlich möchte sie nichts mit ihm zu tun haben, aber er ist ihr Nachbar und der Kontakt ergibt sich wie von selbst.

Schwierig. Das war mein erster Eindruck von Juli Zehs neuem Roman. Ich habe bisher noch nie ein Buch von ihr gelesen, aber oft schon von dem beeindruckenden Schreibstil gehört. „Über Menschen“ ist eine Analyse unserer Gegenwart. Zeh schreibt über die Corona-Pandemie, über rechtspopulistische Politik und Alltagsrassismus. Sie schreibt über die Einsamkeit, die in jedem von uns steckt und über das Richtig oder Falsch, über das wir tagtäglich urteilen müssen. „Über Menschen“ ist eine leise Geschichte. Sie ist nicht darauf ausgelegt, besonders handlungsreich oder spannend zu sein, um genau zu sein, ist sie eine Geschichte mit ziemlich wenig Handlung. Vielmehr geht es in dem Roman um eine Verdichtung der aktuellen Wirklichkeit, um eine Analyse der jetzigen Zeit und eine Metaanalyse der Gedanken der Bevölkerung. Zeh beobachtet, beschreibt und erzählt auf sanfte, leise Art, wie jeder von uns letztlich versucht, das beste Leben zu leben – oder das, was er oder sie für am besten und richtig hält. „Über Menschen“ bringt in überspitztem Ton links und rechts im politischen Sinne zusammen. Es handelt sich um eine Lektüre voller Gegensätze und der Suche nach den verborgenen Gemeinsamkeiten, hochpolitisch aufgeladen und doch so neutral geschrieben, dass man der Autorin keine klare Stellung unterstellen oder hineininterpretieren kann.

„Über Menschen“ ist eine ganz andere Lektüre als die Bücher, die ich sonst lese. Eine kluge, ruhige Geschichte über die großen Themen der aktuellen Zeit. Wer beim nächsten Familienabend oder Büchertreff mitreden will, sollte dieses Buch gelesen haben.

Hier gibt es weitere Informationen zu Juli Zehs Roman aus dem Luchterhand-Verlag.

*Rezension* Lektionen für ein richtig gutes Leben

Lektionen für ein richtig gutes Leben: Wie ich auf einem Bike-Trip von  Berlin nach Peking den Mut fand, meine Träume zu leben - Bekannt aus der  Dokumentation Biking Borders eBook: Konopka, Nono:
 (5/5)

Nono Konopka hat nach seinem Management-Studium in Amsterdam die Aussicht auf einen gutbezahlten Job ausgeschlagen, um stattdessen herauszufinden, wie er ein richtig gutes Leben leben kann. Die Antwort auf diese grundlegende Frage fand er auf einer Reise, die er nach seinem Studium gemeinsam mit seinem Freund Max angetreten ist – über 15 000 km sind Max und Nono gefahren, von Berlin bis nach Peking. Unterwegs haben die Freunde via Social Media Geld gesammelt, um eine Schule in Guatemala bauen zu können.

Aus der Reise heraus ist ein Buch entstanden, das zwölf Lektionen für ein richtig gutes Leben enthält. Nono Konopka erzählt von leichtsinnigen Entscheidungen und inspirierenden Begegnungen während der Reise um die Welt, von Höhenflügen und Tiefpunkten. Das Buch ist super inspirierend für alle, die noch nicht so richtig wissen, was sie eigentlich mit dem Schul- oder Studienabschluss anfangen sollen und ermutigt die Leser dazu, ihren eigenen Weg zu gehen.

Ich kannte die Geschichte von Nono und Max vorm Lesen des Buches nicht, sondern habe mich einfach vom Titel begeistern lassen. Da ich selbst zurzeit kurz vorm Studienabschluss stehe, verstehe ich Nono sehr gut, der schreibt, dass er nicht weiß, inwiefern sein Jobangebot das Richtige für ihn ist oder nicht. Es geht in dem Buch letztlich um die großen, grundlegenden Fragen des Daseins: Was fange ich mit meiner Zeit an? Was ist mir wirklich wichtig? Worauf schaue ich in 50 Jahren zurück?

Nono Konopka berichtet auf eine spannende und fesselnde Art von seiner Reise, erzählt von eindrucksvollen Momenten und Erlebnissen und zieht am Ende jedes Kapitels eine Lehre draus. So entstehen nach und nach zwölf Lektionen, die Nono mit an die Hand geben möchte, um unser eigenes Leben voll ausschöpfen zu können. Die Kapitel sind tiefsinnig, ohne belehrend zu wirken. Lustig und spannend geschrieben und voller Anekdoten. Ich habe das Buch in wenigen Tagen durchgelesen und viel darüber nachgedacht.

Ergänzt wird die Geschichte durch viele schöne, farbige Fotos, die während der Reise festgehalten wurden.

„Lektionen für ein richtig gutes Leben“ ist eine Mischung aus Motivations-Sachbuch und Reisebericht. Eine wirklich schöne und inspirierende Lektüre!

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Buch aus dem Kailash-Verlag.

*Rezension* Die Telefonzelle am Ende der Welt

Die Telefonzelle am Ende der Welt: Roman eBook: Imai Messina, Laura,  Schwaab, Judith: Amazon.de: Kindle-Shop
 (2/5)

Sieben Stunden Autofahrt nimmt man von Tokio aus in Kauf, um Bell Gardia zu erreichen, eine Telefonzelle in einem Garten am Hang des Kujirayama. In der Telefonzelle steht ein Telefon ohne Anschluss. Wer den Hörer abnimmt, kann dem Rauschen des Windes lauschen und manchmal ist es, als würde der Wind die Stimmen verstorbener Menschen mit sich tragen. Jahr für Jahr reisen tausende Leute nach Bell Gardia an, um in der Telefonzelle mit verstorbenen Verwandten und Freunden zu reden. Sie finden Trost an diesem Ort, der das Jenseits scheinbar mit dem Diesseits verbindet. Eines Tages kommt Yui, eine Radiomoderatorin an diesen Ort und trifft nicht nur auf die Telefonzelle, sondern auch auf den Arzt Takeshi. Beide haben in der Vergangenheit geliebte Menschen verloren und suchen nun im Telefon des Windes Trost.

„Die Telefonzelle am Ende der Welt“ erzählt von dem Umgang mit dem Verlust einer nahestehenden Person und von Neuanfängen. Das Buch wurde in Italien und Großbritannien hochgelobt und hat viele positive Rezensionen erhalten. Neugierig geworden von der positiven Resonanz wollte ich mir die Geschichte auch einmal näher anschauen und wurde enttäuscht. Die Geschichte hat viel Potenzial und die Idee ist zugleich traurig und wunderschön, doch die Autorin Laura Imai Messina schreibt auf eine dermaßen sachliche und abgehakte Weise, dass ich damit überhaupt nicht zurechtgekommen bin. Auf der Rückseite des Schutzumschlags steht ein Zitat von THE TIMES, in dem es um das Buch geht: „Laura Imai Messina tauscht westliche Schnelligkeit und rosagefärbte Liebesszenen gegen bedeutungsvollen Minimalismus“. Jetzt nach dem Lesen weiß ich zu gut, wovon THE TIMES geschrieben hat. Das Buch ist anstrengend zu lesen, weil die Sätze sperrig sind. Als Leser*in erhält man viel Einblick in nüchterne Beschreibungen einzelner Szenerien, doch der Zugang zur wahren Gefühlswelt der Charaktere scheint einem verwehrt zu sein. Oft musste ich Sätze zweifach und dreifach lesen, um den Sinn dahinter zu verstehen. Messina beschreibt ausladend Landschaften und Umgebungen. Zugleich wirken die Charaktere sehr steif und emotionslos, was aber auch mit dem ungewohnt kühlen und nüchternen Schreibstil zu tun hat. Im Gegensatz zur Zeitung TIMES sehe ich den „Minimalismus“ im Schreibstil nicht als etwas Positives an, vor allem nicht bei so einem emotionalen Thema wie dem Umgang mit dem Verlust einer geliebten Person.

Mehrmals im Buch scheint die Autorin zwischen den Zeiten hin und her zu springen, was teilweise für Verwirrung sorgt. Zudem hat mir in der Geschichte eine klarer Handlungsstrang gefehlt.

Schade, die Idee, über eine Telefonzelle zu schreiben, welche es möglich macht, mit verstorbenen Personen zu reden, ist rührend, der sperrige Schreibstil der Autorin jedoch hat den Lesefluss mehrfach getrübt.

An sich eine schöne Idee für einen Roman, dennoch nicht unbedingt zu empfehlen.

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Roman aus dem btb-Verlag.

*Rezension* Hey Hirn! Warum wir ticken, wie wir ticken

Hey Hirn!: Warum wir ticken, wie wir ticken: Amazon.de: Windscheid, Leon:  Bücher
 (5/5)

In dem Buch „Hey Hirn – Warum wir ticken, wie wir ticken“ führt uns Dr. Leon Windscheid durch die bunte Welt der menschlichen Psyche. Er zeigt verschiedene psychologische Phänomene auf, denen wir im Alltag oft begegnen und erklärt die Hintergründe intuitiver Verhaltensweisen auf eine spannende Art.

Das Buch gliedert sich in 50 Kapiteln, jedes Kapitel ist einem psychologischen Phänomen zugeordnet. Durch die Lektüre erfährt man unter anderem, was Framing bedeutet, warum wir uns schlauer halten, als wir wahrscheinlich sind und wie sich der Autor in Stresssituationen zu helfen versucht. Belegt werden die Phänomene durch zahlreiche Studien, die in dem Buch zitiert werden. Besonders spannend finde ich die psychologischen Experimente, die erwähnt werden und die man teilweise leicht zuhause mit Freunden und Familie nachmachen kann.

Windscheid ist Psychologe und Autor. Bekannt geworden wurde er durch die Quizshow „Wer wird Millionär“, bei dem er tatsächlich eine Million Euro gewann. In seinem Buch verrät er, wie er sich auf die Show vorbereitet hat und wie er die Aufzeichnungen zur Sendung empfunden hat. Der Schreibstil ist locker und kurzweilig. Obwohl es sich um ein Sachbuch handelt und man wirklich viel lernt, liest sich „Hey Hirn“ eher wie eine humorvolle Anekdote nach der anderen. Die Fakten, die in dem Buch präsentiert werden, hat man teilweise schon gehört, jedoch sind auch viele neue Dinge dabei, die ich zuvor noch nicht wusste.

Nach der Lektüre von „Hey Hirn“ hatte ich das Gefühl, eine Art Mini-Psychologiestudium im Schnelldurchlauf abgeschlossen zu haben. Meiner Meinung nach ist das Sachbuch dafür, dass es wirklich gut zu lesen ist und viel Wissen mit sich bringt, viel zu unbekannt.

Klare Leseempfehlung meinerseits!

Hier gibt es weitere Infos zum Buch aus dem Heyne-Verlag.

*Rezension* Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben

Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben -  Klaus Brinkbäumer, Samiha Shafy | S. Fischer Verlage
 (5/5)

Woher kommt es, dass die einen Menschen mit 50, 60 Jahren an verschiedensten Krankheiten versterben, wohingegen die anderen mit 100 Jahren noch gesund umherspazieren? Wer sind sie, die Menschen, die ein dreistelliges Alter erreicht haben? Was haben sie in ihrem Leben anders gemacht als andere? Was ist ihr Geheimnis? Womit sind sie zufrieden und was bereuen sie? Klaus Brinkbäumer und Samiha Shafy sind zwei renommierte JournalistInnen, die unter anderem für das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL gearbeitet haben. In ihrem Buch „Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben“ stellen sie sehr alten Menschen eben jene Fragen und versuchen Antworten auf das Geheimnis eines langen Lebens herauszufinden. Entstanden ist ein beeindruckendes, lesenswertes Buch, das auf vielen Interviews mit Über-Hundertjährigen und Experten zum Thema Altersforschung basiert.

Die Reise der beiden JournalistInnen beginnt in Okinawa, jenem Ort in Japan, wo besonders viele Hundertjährige leben. Im Laufe der Recherche des Buches bereisen die AutorInnen des Buches die ganze Welt, besuchen Menschen in den USA, in Thailand, in China, aber natürlich auch in Österreich, in der Schweiz und Deutschland. Jedes Kapitel widmet sich der Lebensgeschichte eines alten Menschen, manche haben so viel zu erzählen, dass ihnen mehrere Kapitel zuteilwerden. Jede Geschichte liest sich wie eine Reportage, die AutorInnen schreiben schön, lassen die Leser an ihren Recherchewegen teilhaben, erklären Gedankensprünge und erzählen nicht nur das Leben der Hundertjährigen, sondern auch die Geschichten hinter den Kulissen. So wirkt das ganze Buch wie ein Freundschaftsalbum, man lernt die Menschen kennen und am Ende, wenn ein weiteres Kapitel zu Ende erzählt ist, hat man diese Personen auch wirklich kennengelernt und ins Herz geschlossen. Faszinierend sind sie, die sehr, sehr Alten dieser Welt: Wir lernen einen Chinesen kennen, der seit Jahrzehnten jeden Tag mehrere Liter Cola trinkt, einen fast blinden ehemaligen Journalisten aus New York, einen erfolgreichen Geschäftsmann, der das Konzentrationslager überlegt hat und eine Modeberaterin in einem teuren Luxus-Kaufhaus. Die Menschen, um die es in dem Buch geht, haben nicht viel gemeinsam abgesehen von ihrem hohen Alter. Sie alle haben jede und jeder für sich viel erlebt, viel durchgemacht und überstanden.

Brinkbäumer und Shafy sprechen zudem mit vielen Wissenschaftlern, die sich dem Thema Altersforschung gewidmet haben. So versuchen sie dem Geheimnis des langen Lebens auf die Spur zu kommen. Geht es darum, die richtigen Gene zu haben? Auf eine gute, ausgewogene Ernährung zu achten? Geht es um körperliche Bewegung, um Familie und Freundschaft? Oder spielt am Ende das ikigai, die persönliche Berufung, die entscheidende Rolle? Oder besteht das Geheimnis eines langen Lebens im Astaxanthin, dem roten Farbstoff, dem wundersame Eigenschaften zugesprochen werden?

„Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben“ ist ein Buch, das glücklich und traurig zugleich macht. Man setzt sich während des Lesens unweigerlich mit der Endlichkeit des Lebens auseinander, wird von beeindruckenden Menschen inspiriert und zum Nachdenken über das eigene Dasein angeregt. Nach dem Lesen hallt das Buch noch lange nach bei mir. Absolut empfehlenswert.

Hier gibt es weitere Infos zum Buch aus dem Fischer-Verlag.