*Rezension* Das Lachen und der Tod

  (5/5)

Ernst Hoffmann ist Kabarettist, Komiker – und Halbjude. Letzteres wird ihm zum Verhängnis, im Jahre 1944 wird er nach Auschwitz deportiert. Im Transportwaggon lernt er eine wunderschöne Frau namens Helena kennen, in die er sich dem Schicksal zum Trotz verliebt. Nach der Ankunft in Auschwitz trennen sich ihre Wege, doch er kann sie nicht vergessen. Der Barackenälteste Schlomo, der es gut mit ihm und den anderen Gefangenen meint, findet heraus, dass Helena noch am Leben ist. Er sorgt für den heimlichen Briefkontakt zwischen Helena und Ernst, im Gegenzug verspricht der Komiker, jeden Tag für einen Lacher in der Baracke zu sorgen. „Jeden Tag ein Lacher“ gehört schon bald zum festen Abendprogramm: am Abend versammeln sich alle Gefangenen und jemand erzählt einen Witz oder eine lustige Begebenheit. So versuchen die Menschen für einen Augenblick lang das Grauen des KZ-Alltags zu vergessen und wieder zu spüren, was es heißt, fröhlich zu sein.

Irgendwann erfährt der Lagerkommandant von Ernst Hoffmanns Talent als Komiker und bietet ihm an, in Zukunft für die Unterhaltung der SS-Leute zu sorgen. Im Gegenzug würde er besser behandelt werden und müsste nicht mehr unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Ernst lehnt zunächst ganz entschieden ab. Doch dann merkt er, dass hier nicht nur sein eigenes Wohl im Spiel steht, sondern auch das seiner großen Liebe Helena…

„Das Lachen und der Tod“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der grausamsten Bedingungen ausgesetzt wird und dennoch für das weiterkämpft, was andere schon längst verloren habe: für Liebe, für Hoffnung und für den Glauben, dass man der Tragödie nie das letzte Wort überlassen darf.

Während des Lesens lief mir des Öfteren ein kalter Schauer über den Rücken, einige Gewaltszenen werden allzu bildhaft beschrieben und man hat als Leser das Gefühl, für einen Moment selbst in der Baracke von Ernst zu liegen, neben Fäkalien, neben Menschen, die eher tot als lebendig sind, und neben dem Gestank nach Tod und Verwesung.

Pieter Webeling erschafft auf 300 Seiten eine bedrückende, grausame und doch mit Lachen und Hoffnung gespickte Atmosphäre, die auch nach dem Zuklappen des Buchdeckels den Leser noch lange begleitet. Die Geschichte vor dem realen Schauplatz ist unfassbar traurig, doch Ernst erlebt auch Momente der Freude, so dass der Leser das Schicksal des jungen Ernst mit sehr viel Empathie mit verfolgt.

Ernst ist in allen Facetten ein sehr beeindruckender Charakter, wobei „beeindruckt“ trotz langer Überlegung doch das falsche Wort ist. Wie beschreibt man eine Person, die in Ausschwitz lachen kann? Wie charakterisiert man jemanden, der der allgegenwärtigen Angst vor dem Tode trotzt und seiner Freundin Liebesbriefe schreibt? Ernst ist beeindruckend, ja. Er ist mutig und gibt die Hoffnung nicht auf, in all der Grausamkeit des Konzentrationslagers etwas Menschliches zu finden.

Die Komik in der Geschichte wirkt keinesfalls falsch oder gestellt, was bei so heiklen Themen durchaus passieren kann. Webeling gelingt es, ein bedrückendes Szenario mit der Liebe eines Menschen auf so plausible Art zu verbinden, dass man sich als Leser wünscht, Ernst Hoffmann gekannt zu haben. Seine Charakterstärke ist ohnegleichen, sein Humor einmalig.

Aber er ist keinesfalls die einzige Figur, die den Leser nachdenklich stimmt. Da ist da noch Schlomo, der Barackenälteste, der sich wirklich um seine Baracke kümmert, anstatt diese verkümmern zu lassen. Wie oft schon hat er Ernst ein Stück Essen zugeschoben, wie oft schon hat er auf eigene Gefahr für den Briefwechsel zwischen Ernst und Helena gesorgt. Schlomo ist ein älterer Herr, von den Gräueltaten der Nazis geprägt und dennoch in der Lage, gut zu seinen Mitmenschen zu sein.

Und was ist mit dem Lagerkommandanten? Enspricht er dem typischen deutschen Soldaten unter Hitlers Fahne, wenn es denn den „typischen Soldaten“ gab? Der Lagerkommandant hat ein gepflegtes Äußeres und ein Lächeln auf den Lippen. Ein Lächeln bei der Geburtstagsfeier seines Sohnes, das er mit viel Herzblut organisiert. Und ein Lächeln beim Durchwinken eines kleinen Jungen, den er damit direkt in die Gaskammer schickt. Er möchte Ernst und Helena helfen und ihr Leben um einiges erträglicher machen, doch was er dafür verlangt, ist ein hoher Preis, der nicht in Geld gemessen werden kann.

Pieter Webeling hat eine Geschichte erschaffen, die zeigt, wie diese auf den ersten Blick so gegensätzlichen Begriffe Lachen und Tod doch nebeneinander existieren können. Sie beeindruckt, berührt und lässt den Leser mit einem mulmigen und beklommenen Gefühl zurück. Eine klare Leseempfehlung!

Hier kann man sich das Buch aus dem Blessing-Verlag bestellen.

 

 

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Die Messertänzerin

Meine Bewertung:(5/5)

Divya wurde als vierjähriges Mädchen verkauft und wächst als Dienerin in einem Mädcheninternat aus. Es scheint, dass sie ihr ganzes Leben in dieser Schule verbringen muss. Sie trägt eine graue Vessela, die zeigt, dass sie zur untersten Kaste gehört. Doch tief in ihrem Inneren will sie ihr Schicksal nicht so leicht hinnehmen. Als sie krank im Bett liegt, hört sie die Stimmt eines Lichtes, das ihr prophezeit, dass sie lernen muss, wenn sie glücklich sein will. Ein Licht ist ein strahlendes kleines, schmetterlingsähnliches Wesen, dass nur bestimmte Menschen sehen können. Divya lernt heimlich tanzen und übt jede Nacht auf dem Dach der Schule. Eines Tages sieht sie dabei, wie ein Wächter der Schule auf jenem Dach Übungen mit einem Messer ausführt. Dieser Wächter heißt Tajan und seine Messerkünste faszinieren sie sehr. Von nun an nervt sie ihn so lange, bis er ihr die Geheimnisse der Messerkunft beibringt. Schon bald beherrscht sie das elegante Messerwerfen perfekt und ist glücklich- bis ihre Künste für einen Mord misbraucht werden sollen. Nun steckt sie in der Zwickmühle. Und als sie mehr und mehr das Geheimnis ihrer Vergangenheit lüftet, scheint die heile Welt zusammenzukrachen.

Dieses Buch hat mich total begeistert. Ich muss sagen, dass ich persönlich das Cover nicht allzu auffällig finde und auch die Inhaltsangabe wirkte auf mich etwas- lahm. Aber als ich dann erstmal das Buch aufgeschlagen habe, konnte ich es nicht mehr zuklappen. Wenn Divya nachts auf dem Dach ihre Messertänze durchführt, dann ist es, als sei ich dabei. Ich kann praktisch die Nachtluft riechen und den Wind und die Kälte spüren. Überhaupt dachte ich beim Lesen die ganze Zeit, dass ich dabei gewesen sei. Dieses Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen sodass ich es in zwei Tagen durchgelesen habe. Die Figuren in dem Buch sind toll. Sie haben echte Gefüle, man merkt, dass sie nicht nur existieren, um irgendeine Rolle zu besetzen, sondern man hat das Gefühl, dass sie wirklich leben. Es geht nicht immer nur darum, was sie tun, sondern auch mal darum, was sie fühlen. Das finde ich total klasse. Divya wurde mir sofort sympathisch. Sie hat kampfgeist und willensstärke. Und auch die anderen Figuren haben alle so etwas lebendiges an sich. Es macht also einfach rihtig Spaß, sich in die Welt von Divya zu versetzen.

In dem Buch geht es um einen Zeitraum vonmehr als 5 Jahren, was ziemlich ungewöhlich ist. Und trotzdem kann man der Geschichte immer gut folgen. Ich mag den Schreibstil von Susanne Rauchhaus sehr. Nicht zu kitschig, nicht zu langweilig, keine unnötigen Beschreibungen und immer spannend.

Das ist ein echt tolles Buch und man sollte es unbedingt mal lesen!